
Ahoi und herzlich willkommen zur Schließung einer schon viel zu lange klaffenden spirituellen Lücke:
Was früher die katholische Andacht war – heute ist es das dem Erscheinen des neuen Beitrags zu Stockmanns Appendix entgegenfiebernde Monitorgestarre.
A new breed of spirituality is about to rise. Und Sie sind mittendrin!
Hier im auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden Internet erscheint künftig und fortlaufend in regelmäßigen Abständen Stockmanns Appendix.
Für ihn schreibt Hausautor Nis-Momme Stockmann kleine Szenen, Prosa, Gedichte, Essays, Kommentare zur Wirklichkeit, literarische Restaurantkritiken, Rezensionen von Sozialämtern, Auszüge aus seiner momentanen Arbeit, seinem momentanen Leben, und natürlich über die wunderschöne Hauptstadt Deutschlands – Frankfurt und sein Theater –
kurzum über alles und unter Zuhilfenahme von allem, für wirklich jeden:
Stockmanns Appendix.


Heute bekam ich ein Paket – Kontaktlinsen werden offenbar von Hermes oder so geliefert also stand mir ein völlig fremder Mann gegenüber, von tiefschwarzer Hautfarbe, witzigem Akzent, etwas kleiner als ich.
Da ich auf der Onlinebestellung, wie ich es zu tun pflege, Prof. Dr. Nis-Momme Stockmann geschrieben hatte, fragte er mich stutzend ob ich das sei.
Ich bejahte und er zeigte sich beeindruck.
»Darf isch fragen wie alt Sie sind«?
»Dreißig« sagte ich.
»Dreißig! Oooooh! Sie haben viel Zukunft vor sich«.
Besonders letzten Satz fand ich bemerkenswert. Denn ich fühlte mich entgegen seiner Aussage plötzlich mit weniger Zukunft konfrontiert (bin ich doch weit davon entfernt Professor Doktor zu sein).
So brachte mir der Mann nicht nur ein Paket mit Kontaktlinsen, sondern auch tiefe Gedanken über das Korrelationsverhältnis von Laufbahn und zur Verfügung stehender Zukunft darüber hinaus auch über den Einfluss Externer auf das emotionale Gleichgewicht ins Haus.
Da fällt mir eine andere Episode ein, in die ich vorgestern involviert war. Ich hatte mir chinesisches Essen bestellt, das von einem großen türkischen Mann gebracht wurde. In etwa anderthalb Köpfe größer als ich.
Ich hatte online bezahlt und wie stets Prof. Dr. Nis-Momme Stockmann angegeben. Ich unterschrieb mit meinem schwungvollen Notenschlüssel und schloss die Tür (meinen Ärger über die Suppe die sich unten in der Plastiktüte in der das Chinesische Essen kam gebildet hatte und sein trotz dessen kommentarloses Überreichen runterschluckend). Ich war schon in der Küche, Utensilien zum Verzehr herauskramend als es neuerlich an der Tür klingelte.
Huch, sollte der Mann etwas vergessen haben?
So war es:
»Ist das ihre Unterschrift«
»Ja«
»Das ist doch keine Unterschrift«
»Wie bitte? «
»So können sie nicht unterschreiben, das ist keine Unterschrift .«
»Ähm. «
»Da müssen Sie mir Ihren Personalausweis zeigen«.
Wieder: »Wie bitte? «
»Zeigen Sie mir ihren Personalausweis«
Ich lachte, schniefte aufgelegt sarkastisch so was wie »Sie spinnen ja wohl« und wollte die Tür schließen.
Es ging aber nicht – ein großer Türkenfuß in orthopädischem Schuh blockierte. Etwas worauf ich, auch trotz der offenkundigen Gefahrlosigkeit der Situation, immer nervös reagiere.
»Nehmen Sie den Fuß aus meiner Tür! «
»Sie zeigen mir jetzt Ihren Personalausweis oder ich nehme das Essen wieder mit«
»Nehmen sie den Fuß aus meiner Tür. Das ist Hausfriedensbruch. «
»Sie zeigen mir jetzt Ihren Personalausweis oder ich nehme das Essen wieder mit. «
»Dann nehmen Sie das Essen wieder mit« erwiderte ich.
»Gut! «
Das Essen stand in der Küche. Dass er nun hereinkommen sollte um nach dem Essen zu suchen hielt ich für keine gute Idee. Außerdem hatte ich einen scheiß Hunger.
»Sie nehmen das Essen nicht wieder mit« umschlich ich diese Argumentationskette, »Sie haben nicht das Recht sich meinen Ausweis zeigen zu lassen«, sagte ich.
Klar; ich hatte ja Recht – trotz dessen und der Tatsache, dass ich zuhause war, in das er feindselig einzudringen versuchte, war ich trotzdem in der Defensive. Der Vorteil des Rücksichtslosen gegenüber dem Konventionstreuen.
Er beharrte auf seinen Standpunkt.
»Ich rufe jetzt die Polizei« sagte ich und nahm forsch das Telefon in die Hand. Ein kühner Bluff, denn darauf hatte ich nun wirklich überhaupt keinen Bock. Er zeigte sich auch ganz und gar unbeeindruckt:
»Gut – machen Sie das«.
Ich hatte gesehen er hatte nichts mehr in seiner Warmhaltetruhe. Vielleicht Feierabend und daher Zeit und Lust auf so ein kleines Polizeiding. Im absoluten Gegensatz zu mir.
So verharrten wir einen Augenblick. Während ich die Optionen durchging und mit mir haderte strahlte er nur absolute Entschlossenheit aus.
Traurig und unendlich aufgebracht zugleicht gab ich auf und ging in mein Zimmer um meinen Ausweis zu holen.
So dumm und traurig wie es mir erschien, einem türkischen Lieferanten für chinesisches Essen meinen Ausweis zu zeigen, der diesen ausführlich, mich von oben bis unten musternd, studierte, so dumm und traurig kam es mir hinterher vor, aus Traurigkeit und Wut darüber seiner alle Regeln aushebelnden Dreistigkeit völlig ausgeliefert gewesen zu sein, gegen sie sozusagen verloren zu haben, das Essen wegzuwerfen (so aß ich es mit Magenschmerzen – wegen zu viel Glutamat und Zorn) und fühlte mich ganz und gar besiegt.
So dumm und traurig erschien mir das alles (und dann auch noch doppelt dumm und traurig weil so klein und befindlich) dass ich dieser Geschichte noch nicht einmal eine Pointe verordnen kann oder will.
Auch ein bisschen traurig: Das Freud und Leid der Doktorwürde kenn ich schon ausführlich vor seinem Eintreffen.



Wolfgang
Britta
Broder Kevin
Gritt
Der Hund bewacht das Haus mit seinen Augäpfeln und drinnen Menschen.
Ein riesiger blutroter Mond.
00.00 Uhr Wolfgang und Britta – Elternschlafzimmer,
Grunzen. Britta stellt sich schlafend. Wolfgang löscht das Licht.
Broder Kevin – Kinderzimmer, wach – dunkel.
Gritt - Kinderzimmer schläft – dunkel.
Broder Kevin masturbiert mit gehetzten Augen Richtung Tür. Dann Schlaf.
01:00 Uhr Brennende Köpfe. Unerklärliches Geflirre. Es ist Sommer.
02:00 Uhr Schwerer traumloser Schlaf bei allen.
03:00 Uhr Schwerer traumloser Schlaf bei allen – ächzen– jeder für sich wie Steine, wie leeres trockenes Stroh. In der Ruhe fängt das Chaos an.
04:00 Uhr Traum: »Lass uns Steine sein. An einem einsamen privaten Strand. zusammenfallendes – unter einem Feuer aufgebendes – Holz. Jegliche Struktur, jede Festigkeit und Form aufgebend unter dem Gewicht der Wirklichkeit. ... Steine um die winzige, schnelle Spinnen laufen an denen kein Moos wächst und die kein Wasser erreicht. Sich dem Sein entgegen werfend.«
05:00 Uhr Badezimmer, Wolfgang: Ein dünner Strahl Urin im Blut. Blinzeln Ein seufzender Arm um eine traurige Schulter zieht sich nach einem kurzen Griff auf eine versunkene Brust zurück. Rückenlage. Gedanken an eine Gartenparty im April. An eine Welt jenseits des Kanals. An das Geräusch von schwache Fliegen an der Fensterscheibe unter dem Druck des letzten schweren Sommertages. Ekel beim Brummen von Britta.
06:00 Uhr Wolfgang denkt: Dunkel, Dunkel, Dunkel, Dunkel«. Britta wacht kurz auf: Ihre Stirn denkt nicht, ihre Augen machen einen langen echten Blick.
07:00 Uhr »Kinderzimmer Gritt«: Wecker. Ein toller Traum verwandelt sich in ein Loch.
»Kinderzimmer Broder Kevin«: Wecker. Ein toller Traum verwandelt sich in ein Loch.
»Elternschlafzimmer«: Wecker. Loch, Loch, Loch.
Allen ist so, als ist die Küche das Loch. Alle stürzen sich in das Loch und lassen sich schlucken. Es ist Tag.
08:00 Uhr Nikotingelber Haushalt.
09:00 Uhr Nikotingelber Haushalt
10:00 Uhr Britta scheuert die Kacheln. Ihre Schenkel gleiten übereinander. Ihre Augen von entdingter Konzentration gefressen. Der Tag wird Gelb wo er vorher orange war. Britta denkt an Cliff Meyers. »Bald ist diese Wohnung raus, bald sind wir raus, irgendwie wird das alles hier raus sein«, denkt sie und lange Asche ist an ihrer Zigarette. »Vorhänge waschen, reicht auch noch nächste Woche«. Reicht, reich, reicht.
11:00 Uhr Wohnung Leer
12: 00 Uhr Wohnung respiriert die Schwere von Leben und Enge. Gedankensouveränität wird geschwemmt. Schaum aus Struktur. Loch. Loch. Loch
13: 00 Uhr Chaos in der Ruhe. Wohnung so leer, so dunkel. Alle Fenster sind offen. Irgendwas schimmelt unter dem Sofa.
14: 00 Uhr Britta betritt ihr Loch. Sie singt: »Weine nicht denn dein Gesicht ist viel zu schön«, Einkäufe einräumen. TK und Gemüseschublade macht keinen Spaß. Ein Kommissar im Fernsehen erschießt einen Verbrecher. Öl macht Fleisch weiß. Britta gart zu kühl. Nichts schmeckt ihr in der letzen Zeit
15:00Uhr Gritt und Broder Kevin betreten ihr Loch. Gritt fragt um eine Erlaubnis. Broder Kevin regt sich über etwas auf. Britta argumentiert ihn kaputt. Er geht eine bittere, heimliche Reval rauchen. Auf einen Erdehügel hinter dem Gartenhaus. Er drückt sie in einem Regenwurm aus. Drinnen kocht falsches Wasser und falsche Wärme erhitzt falsche Nudeln.
16:00 Uhr Gritt denkt eine Wolke über Zetteln. Britta kompostiert. Broder Kevin zeigt seiner Mutter eine teure Mütze in einem Katalog. Es entgleitet ihnen der Tag. Ihre Gesichter werden müde. Loch Loch Loch.
17:00 Uhr Wolfgang betritt sein Loch. Seufzen, Keuchen, Wärme, Schmerzen im Unterbauch. Küche. Aus dem Fenster kucken. Aus dem Fenster kucken. Seele vortäuschen. Essen. Graues Essen aus Staub und Abfall. Graue Blicke. Schimpfe für Gritt. Langsam reicht es wirklich. Broder Kevin kriegt Amalgam, das hat Wolfgang auch nicht geschadet. Wolfgang beißt sich in das Seitenfleisch in der Wange. Gritt summt: »The idea is good, but the worlds not ready yet«. Niemanden stört das. Britta sagt, sie störe das. Sie zählt wie oft Wolfgang beim Essen ausstöhnt. Jedes Mal ist wie ein Dolch in ihren Hals. Wolfgang schlägt Broder Kevin. Das hat er schon lange nicht mehr gemacht. Wolfgang verdrückt eine Träne, als er sich bei seinem Sohn entschuldigt. Gritt stellt einen Gedanken an: Sie will verreisen. Mutti überhört sie und denkt an letztes Weihnachten. Wolfgangs Bruder war da. Sie hatte ihn lange betrachtet als er auf dem Sofa schlief.
18: 00 Uhr »Endlich mal wieder entspannen... «, sagt Gritt am Telefon. Wolfgang denkt. »Und du redest am Telefon und du redest und du redest und du redest und du redest.
Ja ich glaub das funktioniert. Man hält es hoch und es funktioniert. Ein starker Griff und es funktioniert. So wie du.
Du funktionierst und deine Augen und deine Hände und deine Fotze und du funktionieren. Und du gehst turnen jetzt, hör ich dich sagen. Und ich bestelle Dinge im Versand zur Arbeit ohne dich zu fragen, und wenn du redest geht mir mein Leben kurz über, und ich seh mich ohne euch in Spanien schweren Wein trinken, euch nicht riechen, euch nicht sehen, euch nicht kennen. In einer Welt ohne Krankenkasse, ohne nassen Asphalt, ohne lächeln und ohne der Sehnsucht nach Tischkreissägen.« Wolfgang blättert ein Magazin mit schweren Hochglanzseiten um und kratzt sich am Kinn. Gritt sagt sie geht noch mal raus. Broder Kevin ist auf der Toilette.
19:00 Uhr Fernsehen. Niemand mag mehr spielen er hätte einen Kern. Geschluckt.
20:00 Uhr Fernsehen. Grau.
21:00 Uhr Fernsehen. Dunkel.
22:00 Uhr Fernsehen. Dunkel. Dunkel. Dunkel.
23:00 Uhr Fernsehen. Britta schwarz. Gritt will noch was sehen. Broder Kevin geht ins Bett. Wolfgang macht einen Laut den er nicht versteht. Seine Augen sind wie auf Schienen. Eine Lampe spiegelt sich in einer Scheibe. Und seine Frau. Alle sehnen sich danach Dinghaft zu sein. Straße Straße Straße. Raus raus raus. Loch Loch Loch.
24:00 Uhr Wolfgang löscht das Licht. Gritt denkt an nichts. Dann schlaf. Broder Kevin masturbiert mit gehetzten Augen Richtung Tür. Dann Schlaf.
Schon nach dem einschlafen heute brennen Köpfe. Es ist Sommer. Traum: »Lass uns Steine sein. An einem einsamen privaten Strand. zusammenfallendes – unter einem Feuer aufgebendes – Holz. Jegliche Struktur, jede Festigkeit und Form aufgebend unter dem Gewicht der Wirklichkeit. ...Steine um die winzige, schnelle Spinnen laufen an denen kein Moos wächst und die kein Wasser erreicht. Sich dem Sein entgegenwerfend.«



Praasch: Is det schön, wa Frau Ketelsen?
Ketelsen: Schön… Ja…
Prasch: Schön das sie die Zeit jefunden haben, mal wieder mitzukommen.
Ketelsen: Find ich auch schön. Schön mal wieder mit Ihnen-
Praasch: Nu kieken se doch mal, kieken se doch mal, kieken se doch mal Frau Ketelsen.
Ketelsen: Ick kiek.
Praasch: Is det nich… Nu kieken se doch mal.
Ketelsen: Ick kiek ja.
Praasch: Ist det eene Zuckerschnecke oder wat? Du bist meene Zuckerschnecke, du bist meene, kleene Zuckerschnecke. Ick find dich Honig. (mit chargiertem Ernst) Dich nich Honig finden ist Sünde. Kieken se doch ma Frau Ketelsen.
Ketelsen: Ick kiek ja.
Praasch: Ach Frau Ketelsen… Ist det nich joldig. Ach Jott meene Schnecke, ach Jott du bist ja zu joldig. Sie rufen ja gar nicht. Rufen se doch auch mal Frau Ketelsen.
Ketelsen: Ick komm nich. Neeein. Du brauchst keene Angst zu haben. Neeeein. Du brauchst keeene Angst zu haben. Ick komm nicht. Ick komm nicht.
Der Affe hat keine Angst
Praasch: Ne Frau Ketelsen, Kafu hat keene Angst.
Ketelsen (etwas pikiert): Ach so…
Praasch (lacht):
Kafu hat keene Angst, wa meene Kleene.
Nein du hast keene Angst Kafu, nein, meene kleene Zuckerschnecke du hast keene Angst, hast du Angst vor der Frau Ketelsen? Ne, wa, da musst du lachen, wa? Wie soll man vor der Angst haben, wa meene Kleene, wenn die noch nicht ma richtig ruft.
Rufen se doch mal Frau Ketelsen. Kafu denkt ja am Ende noch sie freun sich jarnicht.
Ketelsen: Ick ruf ja.
Nach einer Pause
Praasch: Na wenn sie rufen, dann rufen se doch mal.
Ketelsen: Fatu, komm ma her. Na komm ma her zu mir Fatu.
Praasch: Meene kleene Kafu. Ne jenau. Watt ist die Ketelsen schusselig wa?
Ketelsen: Wie bitte?
Praasch: Ick sprech nicht mit Ihnen, ick sprech mit meenen Affen, entschuldigen sie mal grade.
(zum Affen) Die Ketelsen weiß wohl offenbar nicht, dass du einjesperrt bist und jarnicht kommen kannst, wa meene Kleene…
Ketelsen: Und die Praasch weiß wohl scheinbar nicht, dass nur weil du einjesperrt bist, das noch lange nicht heißt, dass du ihr jehörst.
Mit plötzlicher Entrüstung
Praasch: Und die Ketelsen weiß wohl nicht, dass ich hier jeden Tag seit meiner Verrentung stehe, im Sommer und im Winter und dir hier, meene kleene, liebste Fatu, dir die Treue halte, wenn die anderen sich einfach mal entscheiden keene Lust auf Zoo zu haben und dich monatelang verjessen weil det kalt draußen ist und det einfacher ist den Fernseher einzustellen um sich zu UNTERHALTEN! Wa meene kleene joldige Zimtzuckerschnecke… Die Ketelsen weiß wohl nicht, dass wir die innigsten Jefühle teilen, von denen sie offenbar nüscht versteht.
Ketelsen: Und die Praasch weiß wohl nicht, dass einer der Gründe warum viele Leute sehr wohl noch in den Zoo, aber nicht mehr in den Affenkäfig jehen, der ist das man hier eine alte seltsame Frau trifft, deren Anjebiedere an einjesperrte Tiere alle Beteiligten Alpträume kriegen lässt.
Praasch: Und die Frau Ketelsen meint wohl dass ich nicht längst wüsste, dass der Grund warum sie nicht mehr regelmäßig in den Zoo kommt der ist, dass sie es immer vergisst, dass Montags Affentag ist, weil sie nämlich eine derart altersschwache Unke ist, der die einkehrende Senilität offenbar ein Loch der Größe Brandenburgs in den Kopf geweht hat.
Ketelsen: Und die Praasch denkt wohl, dass sie sich mit ihrer erbärmlichen Belästigung der armen Tiere über die Vereinsamung, die sie mit ihrem schrecklichem Charakter bewirkt hinwegkommen kann.
Praasch: Und die Ketelsen denkt wohl, dass ich nicht längst wüsste, dass wohl der jewichtigste Grund warum sie nicht mehr in den Affenkäfig kommt, der ist, das Fatu mich mehr liebt als sie und sie eifersüchtig ist.
Ketelsen: DIE HEISST KAFU. Und ihr dummer Affe ist mir scheißejal. Für sie ist doch der einzige Grund warum sie hier sind, das Kafu, das bedauernswerte Wesen, nicht wie Andere in der Lage ist vor ihnen zu flüchten, wenn sie um die Ecke kommen.
Praasch: FATU sie Hexe.
Ketelsen: Ach ihr beschissener Affe…
Praasch: Nehmen sie das zurück. (zu Kafu) Sie meint das nicht so mein Joldengelchen.
Ketelsen (zum gleichgültigen Affen): Janz jenau das mein ich (mit Nachdruck) und noch viel mehr. Ihr dämliches Mistvieh – Sehen sie ihm doch mal inne Ogen. Det sehnt sich doch schon nach der Schlüsselrunde. Sie betreiben hier Lebenszeitverkürzung bei dem armen Tier, mit ihrem giftigen Wesen.
Praasch: Sie entschuldigen sich jetzt bei dem Affen!
Ketelsen: Niemals!
Praasch: Wenn sie sich nicht bei dem Affen entschuldigen, dann…
Ketelsen: Sie müssen sich bei dem Affen entschuldigen für ihre bedrückende Jegenwart.
Praasch: … dann werde ich…
Ketelsen: Sie machen mir keene Angst, sie marodes Ungeheuer. Watt wollen sie denn machen. Mich mit ihrer Drolligkeit zu Tode amüsieren?
Praasch: Ick kratz ihnen die Ogen aus. Meenen Affen beleidigen.
Ketelsen: DAS IST NICHT IHR AFFE!
Praasch geht auf Ketelsen los. Ein heißer Kampf vorm Affenkäfig. Kafu kuckt gleichgültig.
Ein abseitsstehender Wärter: Gehst du?
Ein anderer abseitsstehender Wärter: Ich war letztes Mal
Ein abseitsstehender Wärter: Jeden Montag das Selbe…



Und dann flüsterten die Kinder plötzlich ernst und dunkel:
»Es gibt einen Berg aus Grauen Mänteln
Einen Berg der tausend Visionen
Und die Tiere trinken gierig –
Aus den Strömen die zu ihm führen –
Das Wasser das sie trinken das ist Gold durch das sie glühen
Und die Menschen singen erleichtert
Und in Abkehr zu den Zeiten
als sie reisten
dachten, flogen
Und im Berg da sind Insekten
Und die Insekten sprechen Sprachen
Vor denen die Seelen sich fürchten
Und der Faun am Gipfel des Berges
Spielt in verborgenen Frequenzen –
Lockt mit Liedern hoch nach oben
Singt in der Sprache einer Sonne -
In der Sprache eines Vogels –
Aus einem Auge in der Stirn:
Wen ich liebe und was ich liebe und was Liebe ist – das entscheide ich.
Und was ich liebe soll mich quälen, ich will mit dem Geliebten untergehen.
Und ich liebe diese Erde.«
Und als der Chor der Kinder solches gesungen hatte und für immer die Münder schloss, da landete der Raketenmann in einem goldenen Flugroboter (der alle Sprachen sprach und mit Telepathie warnend in die Köpfe der Menschen schrie: »Mich wird es ewig geben – und euch auch!«), vor den Füßen der Kinder, und der Flugroboter stach mit einem goldenen Strahl in den Boden und die Erde brach auf und entlud ein Bataillon schreiender Dämonen, die an der Erde genagt hatten mit ihren Zähnen aus Anthrazit. An den Füßen des Raketenmannes waren Pedale und Hebel mit denen er jeden Automat der Erde bedienen konnte und Knöpfe mit denen er jeden Menschen eine Träne weinen lassen konnte, so dass diese an die Grenze ihres Kerns treten und in diesen hineinsehen mussten bis sie etwas entdeckten oder das niemals schafften.
Und als der Präsident dann wieder auferstand als Dämon in den blutroten Wolken der fliegenden Stadt
Und es Säure regnete und die Menschen schrien
Und die Augen der Männer im Kampf mit dem Kraken –
ihnen in der Höhle zu kalten Steinen wurden
Da knieten die Frauen
Auf den kalten Böden ihrer Hausflure
Und sie fielen auf ihre Knochen
Und die Knochen brachen,
weil sie wollten nie mehr aufstehen
Und die Blicke brachen,
weil sie wollten nie mehr sehen
Und es fiel ihnen alles wie selbstverständlich ab vom Körper
Und sie lagen nackt in Rastern, ganz ordentlich sortiert.
Und in ihren Gesichtern waren Ausdrücke die niemand kannte – wie verfault
Und in ihren Herzen schrien Monster und rissen an der Welt.
Und die Frauen
sie sangen leise,
und ob traurig weiß man nicht:
Lass das goldene Zeitalter beginnen
Renn mit dem Fuchs
Lass das goldene Zeitalter beginnen
Spiel mit dem Fuchs
Lass das goldene Zeitalter beginnen
Renn mit dem Fuchs
Renn mit dem Fuchs.



Und das Geheul der Kinder schraubte sich in den Himmel hinauf, in die Hölle hinein und in die Fabriken in denen elektronisches Superspielzeug und Steaks nach Respekt weinten und übertönte den fein gesungenen absterbenden präsidentischen Sermon:
»– Heil dem Raketenmann –
– Heil dem Raketenmann –
Er ist die Nacht ihr seid der bescheuerte Tag.
Und er winkt aus dem Fenster:
Abschied von euch allen.
Auf zum Vulkan. Auf zum Vulkan. Auf zum Vulkan.
Schrotflintenhochzeit
O elektrische Hölle
O Teufel Auge
Und die Strahlung der Sonne ruft deinen Namen: Mensch!
Und die Rakete ist programmiert.
Und der Raketenmann hat keine Augen.
Und er singt im kalten Weltall:
Childhood Bike-ride
Seagull sea-scream
Chairtime: Eattime
Bedtime/ Lifetime
Shrinking future – growing Past
Bäume Briefe Autos Wege – Menschen Tiere Räume Stege
Sterben im Sarg – In der Erde mit den Dingen
Und einem Kopf der alles verstanden hat
Und um zu verstehen alles vernichtet hat –
Was es zu verstehen gibt –
Im Inneren des kleinen Menschen -
Der man ist –
Die Welt – ein kleines Bajonett –
Im Herz, das sich im Tod noch sehnt
Nach Weltall Weltall Weltall
Kosmos Kosmos Kosmos
Nach dem Herz der Sonne
Nach der Reise in das Herz
Nach verglühen und vergehen
Nach sich irren, nichts verstehn
– Heil Raketenmann, O Heil dir Raketenmann –.«
Und aus den nun herbeirollenden Augäpfeln schrie es in das noch dampfende frisch gedrillte Loch im Erdboden hinein:
»Es gibt einen Fluss an einer Quelle
Und in den Fluss da fließt Metall
Fließt in die Hände Gottes
Und von dort ins Weltenall
Und im Weltall fliegen Sonnen
In die die Menschen in Gedanken fliehn
Und auf den Sonnen wehen Winde
Die über kalte Berge ziehn
Und aus den Bergen schießen Quellen
In denen Fische sind
Und die Bären fressen die Fische
Und die Fische sterben dann
Und singen (traurige) Lieder von ihrem Leben
Und von ihrem Untergang
A – A – A – A
Und diese Lieder hören Ritter
Und die Ritter haben Schwerter
Und die Schwerter spalten Köpfe
Mit den Liedern auf den Lippen
Und die Ritter zeugen Kinder
Mit den Liedern in den Ohren
Und die Kinder kriegen Freunde
Und die Freunde werden krank
Werden krank wegen der Lieder
Und den Worten aus den Liedern
Und die Worte sind unglücklich
Und die Worte weinen schrecklich,
Weil wir sie so verstehen
weinen verzweifelnde Töne,
des »Sie-so-verstehns«
Und die Worte greifen sich Gewehre
Und zerschießen sich in Klänge
Und die Klänge das sind Trommeln
Auf denen dieses spielt.
Und die Trommeln sind gewaltig
Und die Trommeln wollen nichts
Außer trommeln trommeln trommeln
Bis eine neue Sprache entsteht.
Und die Sprache die soll singen
Und die Sprache sie wird singen:
Apfel
Kreis
Apfel
Ball
Anzug
Stock
Stock
Gewehr
Ball
Apfel
Ball
Schießen
Fragen
Essen
Apfel
Kreis
Apfel
Ball
Anzug
Stock
Stock
Stehen
bleiben
liegen
schweigen
bleiben
fragen
lassen
Apfel
Kreis
Apfel
Fall
Anzug
Stock
Gewehr
Gewehr
Musik
Fragen
Essen
Lassen
Fragen
Essen
unten
Kontur
Sehen
ordnen
Teufel
Teufel
Teufel
Auge
Auge
Ja nein
Auge
Auge
A
B
Eis
All
Ock
Ehr
Ik
En
O
Z
Unterschiede und keine
Keine Unterschiede alle
Sprechen meinen stürzen
Alles eins im Knäuel
Im Weltall –
mit Millionen –
Kindern –
Die es schrein!:«
»Ich ess das nicht!
Ich bin das!
Welt – Welt
Wasser – Wasser
Globus – Wasser
Reise – Reise
Gott – Bär
Mensch – Mensch
Tier – Tier
Mensch – Wolken
Gott – Wasser
Reise – Mensch
Sein – sein
Lassen – lassen
Essen – verstehn
Kämpfen
Tragen
Essen
Sein
Lassen
Lassen
Lassen
Garten – warten
Gerten – werten
Brot – Tisch
Apfel – Kreis
Stock – Ball
Frau – Strahl
Mann – Ball
Apfel – Ball
Gehen – bleiben
Zeigen – weigern
Garten – werten
Geld – Fragen
Held – Sagen
Weg – Reise
Löwe – Schlange
Erdball – Apfel
Hund – Höhle
Sterne – Wolf
Reisen – Weg
Bleiben – Weg
Weg: Bleiben
Wegbleiben
Nichts bleiben!
Iiiiiiin Tieren ertrinken.
Iiiiiiin Dinge ertrinken.
Iiiiiiin Welt ertrinken.
Iiiiiiin Menschen ertrinken
Eine Trommel
Trommelt
In den Himmel
In die Erde
In die Köpfe
und vor allem:
Aus
ihnen
raus:
Auf zum Vulkan!«



Und als die Drillbohrmaschine sich mit dem Krach
100.000-jähriger Industriegeschichte
In die Kluften unseres Ursprungs gräbt
Da ist es ganz und gar still, ganz still
Die Frauen weinen
Der Wind heult
Und es regnet Kristalle aus den Wolken
Aus den Augen der Titanen
Und der Präsident erschießt sich weinend
Als der Chor der Kinder schreit:
»In den Wolken
da sind Wege
und die Wege
gehn wir nicht.
In den Wolken
da sind Wege
und die Wege
gehn wir nicht.
Die Tiere wollen nicht mehr räsonieren – sie sind wild wild wild.
Die Augen wollen nicht mehr starren – sie sind wild wild wild.
Die Stimmen sind entzündet und wild wild wild
Die Hände sind Fäuste und wild wild wild
Nichts ist traurig, alles wild
O elektrische Hölle!
O TEUFEL AUGE
Mein König mein König mein König,
O wo bist du Landesvater, wo ist ein Gesicht, ein Körper?
Wo – o – wo ist etwas, bitte etwas?
Wo – o – wo ist ein Ziel für euren hochgelobten Hass?
Wir wollen nicht mehr räsonieren, wir sind wild wild wild!
Und Wildsein, das heißt schweigen!
Und Wildsein, das heißt schweigen!
Und Wildsein, das heißt schweigen in der Welt.
In dieser Welt
Gibt es
Keine sprechenden Tiere
Keine Schlösser in Wolken
Nur einen dummen
stummen
Gott
Mit tausend Fangarmen
Den man in dunklen Höhlen
Heimlich
Mit seiner Scham
Seiner grenzenlosen Scham
Füttert
Mit dem Gold seiner grenzenlosen Scham füttert
Und er in tiefen Tönen schnurrt
Sie haben keine Seele
Sie haben keine Seele
Und ohne Seele starren sie
Ihre Blicke das sind Strahlen
Und die Strahlen starren blind
Strahln die Dinge blitzend nieder
Bis die Dinge Menschlich sind
Und alles alles alles
Ist befühlt und begriffen
Und alles ist ein Stein im Mosaik
Einer Welt die wir verachten
Eine Welt der Emblematik
Die wir so bringen bauen bilden
An der wir scheitern sollen
Denn nur scheiternd sind wir nützlich
Denn nur scheiternd sind wir stark!«
Und als die Kinder verstanden, dass sie die Choräle in einer antiken Sprache vorgetragen hatten, die kein Mensch mehr verstand, da sangen sie hinterdrein:
»Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
dann ist das gut
dann ist das gut
dann ist das gut
Wir möchten nämlich nicht,
dass ihr unsere Sprache sprecht
dass ihr unsere Sprache versteht
dass ihr unsere Sprache sprecht
dass ihr unsere Sprache versteht –
Denn wenn ihr uns versteht
Dann sind unsere Gedanken
Falsch
Falsch
Falsch«
Fast wie geläutert klang das nun, so viel Hass lag in den Stimmen:
»Auf zum Vulkan!«
Mahnend hob der Präsident noch im verbluten an:
»Draußen bleiben die Blätter liegen.
Und der Schnee schiebt sich vor.
Und Ruß auf Straßenschildern.
Pelzkragen.
Und Gesichter.
Dampf aus hastig atmenden Mündern.
Und mit jeder Etappe –
Mit jeder Woche –
Jedem Monat –
Jedem Jahr –
Geh er weiter –
Weil er kommt weiter.
Er kommt weiter.
Und ihr bleibt da.
Und als die Drillbohrmaschine sich mit dem Krach
100.000-jähriger Industriegeschichte
In die Kluften unseres Ursprungs gräbt
Da ist es ganz und gar still, ganz still
Die Frauen weinen
Der Wind heult
Und es regnet Kristalle aus den Wolken
Aus den Augen der Titanen
Und der Präsident erschießt sich weinend
Als der Chor der Kinder schreit:
»In den Wolken
da sind Wege
und die Wege
gehn wir nicht.
In den Wolken
da sind Wege
und die Wege
gehn wir nicht.
Die Tiere wollen nicht mehr räsonieren – sie sind wild wild wild.
Die Augen wollen nicht mehr starren – sie sind wild wild wild.
Die Stimmen sind entzündet und wild wild wild
Die Hände sind Fäuste und wild wild wild
Nichts ist traurig, alles wild
O elektrische Hölle!
O TEUFEL AUGE
Mein König mein König mein König,
O wo bist du Landesvater, wo ist ein Gesicht, ein Körper?
Wo – o – wo ist etwas, bitte etwas?
Wo – o – wo ist ein Ziel für euren hochgelobten Hass?
Wir wollen nicht mehr räsonieren, wir sind wild wild wild!
Und Wildsein, das heißt schweigen!
Und Wildsein, das heißt schweigen!
Und Wildsein, das heißt schweigen in der Welt.
In dieser Welt
Gibt es
Keine sprechenden Tiere
Keine Schlösser in Wolken
Nur einen dummen
stummen
Gott
Mit tausend Fangarmen
Den man in dunklen Höhlen
Heimlich
Mit seiner Scham
Seiner grenzenlosen Scham
Füttert
Mit dem Gold seiner grenzenlosen Scham füttert
Und er in tiefen Tönen schnurrt
Sie haben keine Seele
Sie haben keine Seele
Und ohne Seele starren sie
Ihre Blicke das sind Strahlen
Und die Strahlen starren blind
Strahln die Dinge blitzend nieder
Bis die Dinge Menschlich sind
Und alles alles alles
Ist befühlt und begriffen
Und alles ist ein Stein im Mosaik
Einer Welt die wir verachten
Eine Welt der Emblematik
Die wir so bringen bauen bilden
An der wir scheitern sollen
Denn nur scheiternd sind wir nützlich
Denn nur scheiternd sind wir stark!«
Und als die Kinder verstanden, dass sie die Choräle in einer antiken Sprache vorgetragen hatten, die kein Mensch mehr verstand, da sangen sie hinterdrein:
»Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
Versteht ihr unsere Sprache nicht,
dann ist das gut
dann ist das gut
dann ist das gut
Wir möchten nämlich nicht,
dass ihr unsere Sprache sprecht
dass ihr unsere Sprache versteht
dass ihr unsere Sprache sprecht
dass ihr unsere Sprache versteht –
Denn wenn ihr uns versteht
Dann sind unsere Gedanken
Falsch
Falsch
Falsch«
Fast wie geläutert klang das nun, so viel Hass lag in den Stimmen:
»Auf zum Vulkan!«
Mahnend hob der Präsident noch im verbluten an:
»Draußen bleiben die Blätter liegen.
Und der Schnee schiebt sich vor.
Und Ruß auf Straßenschildern.
Pelzkragen.
Und Gesichter.
Dampf aus hastig atmenden Mündern.
Und mit jeder Etappe –
Mit jeder Woche –
Jedem Monat –
Jedem Jahr –
Geh er weiter –
Weil er kommt weiter.
Er kommt weiter.
Und ihr bleibt da.



Vielleicht ist es ja auch Teil der nationalen Identität Österreichs, mit einer ständigen Kleinheitsangst die Äußerungen über einen geographischen Süden der Österreichischen Republik zu umschleichen und eine ewig strahlende Achillesverse in das räsonierbereite und verletzungsunwillige Resteuropa zu halten.
Das hat etwas weinerlich kränklich hypochondrisches von Österreich: Das Druckmittel des Einflussarmen.
Oder vielleicht ist es ja auch ganz und gar andersherum und wir projizieren diese Kleinheitsangst nur auf die Österreicher. Und die Österreicher haben diese Feinnervigkeit gar nicht, und wir Deutschen, mit unserer panischen Bemühtheit um politische Korrektheit – die eigentlich schon ein Faschismus ist, ein Faschismus des nicht nach außen formulierten Faschismus’ – pflanzen dieses Übel, dieses in Vermutungen über die Kleinheitsängste der Österreicher fischende Übel in die Deutsch-österreichische Begegnungskultur. Vielleicht denken die Österreicher ja: »Um Gottes Willen: Warum sind die Deutschen bloß so wahnsinnig sensibel darum über nationale Unterschiede zu sprechen?«
Und die Beziehung der Dinge und Phänomene zueinander ist in Wahrheit eine ganz unkomplizierte, eine freie, eine gereinigte und alles andere ist nur eine Hülse von Sprache und virtuell - also die Worte, vielleicht sind es ja nur die Worte – und mit ihnen die Dialektik – und das Sprechen an sich, die Worte und ihre Bögen, ihre Linien und die Zwänge, weil eine Linie zu etwas zeigt und in Sprache immer endet, enden muss – irgendwo – nach Innen und nach Außen – Linien Bögen? Kreise! Weil das –
»Und die Expedition Männer –
Die Expedition ist startklar«
»Aber wohin?« fragen die –
Am heimischen Herd bleibenden Frauen
Und tupfen ihnen Ruß von den entschlossenen Gesichtern.
Aber die Männer schrecken zurück
Als würde sie etwas Kaltes im Schlaf berühren:
Die Frauen und das Getupfe gehören schon in eine –
nicht mit der Entschlossenheit zusammenbringbaren Welt
»Zum Kern der Erde«, flüstern die eckigen Gesichter kaum hörbar mit Blick zu der amalganenen –
Drillbohrpassagiermaschine –
Die der Professor ein letztes Mal untersucht.
Die Männer mit den runderen Gesichtern –
Schämen sich in Ecken
Und besprechen das Wenige was es noch zu besprechen gibt,
in ihrer untergehenden Welt,
verräterisch ihre Pistolen streichelnd,
Auf ihren T-Shirts steht: »Eat all Children«,
oder: »Crave wants the respect it deserves«
oder: »Old people try to think like computers«
oder: »God is a shining diamond, being whiny in the sky«.
Der Präsident hält eine dunkle, ernste Rede:
»Bei Objekten und Fahne,
Bei Ohnmacht der Nation,
Es ist ein Poooooooooolyp im Kern unserer Erde
Es ist ein Poooooooooolyp im Kern unserer Erde
Und mit seinen Armen greift er nach uns aus
Er greift nach dem kost-, kost-, kostbarsten
Ein Krake im Mittelpunkt der Erde
Und er frisst die Herzen unserer Kinder
Und pflanzt in ihnen Stillstand
Pflanzt in ihnen Stillstand und Regress
Sie wollen nicht mehr essen, nicht mehr denken, nicht mehr stehen
Nicht mehr gebären und nicht zeugen
Nicht mehr denken und verstehen
Wollen nicht mehr atmen und nicht fahren
Nicht mehr bauen und erzeugen
Nicht mehr zeichnen und verstauen
Nicht mehr legen und bezeichnen
Nicht mehr tragen und vertäuen
Es ist kein Krach in ihren Häusern
Und kein Bild in ihren Köpfen
Es ist keine Welt in ihren Augen
Kein Wort in ihrer Verzweiflung
Und kein Durst nach mehr – o – weh«.



O – die Steiermark, liegt im Süden von Österreich
Sie ist ein österreichisches Bundesland
Wobei im Süden ist vielleicht falsch,
weil hat Österreich überhaupt –
Einen richtigen Süden?
Oder, Vorsicht: ist das ein sehr deutscher Gedanke?
Ist das ein sehr deutscher Gedanke,
Österreich den geografischen Süden abzusprechen?
Ist das eine kleine Arroganz, mit der wir Österreich
Ganz fein und subtil, fast schon kulturprogrammatisch
den geografischen Süden absprechen?
Oder ist das eher die Projektion der Österreicher –
Eine durch Kleinheitsängste gebildete Projektion –
Wir Deutschen würden Österreich den geographischen Süden absprechen
Nur weil man nicht so genau sagen kann, wenn man die Karte betrachtet –
Ob Österreich wirklich so etwas wie einen –
O elektrische Hölle
O Teufel Auge
O Krematorium Welt
Ficken fressen schlafen
Schlafen ficken fressen
Saufen fressen ficken
Variationen deines Zeitgeists – Welt
Aber – O
O – Aber
Du dumme
harmlose
Welt
Kuckst aus dem Fenster raus
In unseren Garten
Und deine kleinen Hände
Winken schmachtend
Unsere Kettenhunde ab
Und ihre Beißfrequenz
Singt das Lied von Verzehr –
Von dunklem Fleisch
Und schwerem Leben
Mit furchtbaren Kindheiten
An Eltern –
Die –
Mit allen ihren Fasern –
Bemüht sind –
ans anorganische hinzumimikrieren (Adorno)
Mit ertragsideologischer Missbräuchlichkeit am sozialen Menschen –
der liebt –
die über jedes kulturelle Erzeugnis ins Allgemeingültige hineinversetzt wird
So, dass selbst der aufgeklärteste Kopf nicht daran zweifelt:
Ja, im Film und Fernsehen kann man sagen: Das ist nicht okay,
und das entwertet selbst noch den rebellischsten, den verzweifeltsten Gedanken -
Weil er im Mainstream mitverhandelt wird.
Ehrgeiz – meine Zuversicht
Empirie Empirie Empirie
Hier gibt es noch einen Ort an dem kann man
Ewig Ewig Ewig
Weitermachen
Du darfst alles
Nur nicht aufhören
O traurige drehende Welt
Du darfst alles alles alles
Nur musst du weitermachen
Niemals niemals niemals stillstehen
Trimmrad Welt
O elektrische Hölle
All unsere Eigenschaften
Sind schön –
Wenn
Sie
Sich
Heraus-
bilden
im
Weitermachen
Weitermachen
O Teufel Auge
In deinem Inneren da kann man nachdenken.
Im Augen-interieur, ja das ist noch ein Ort, wo selbst ein teurer Augen-innenarchitekt nichts machen kann. Da ist man noch auf sich allein gestellt – : Das Augen-interieur.
Im Augeninneren da ist man – Gott sei Dank – noch ganz und gar auf sich allein gestellt und von draußen rufen Stimmen und man reißt wütend die alten Bilder ab bis man schluchzend singt:
»Orkane fressen Kinderhände,
Politologen drehen Winde ein,
noch nicht tote Präsidenten flüstern sich Skandale über den Kosmos ins Ohr.
In immer leiser werdenden Hymnen werden wir Fachleute.
Ich habe eine elektrische Begierde in meiner Brust.
Mein Skandal – ist elektrisch
meine Obsession – ist elektrisch
meine Lust, meine Sucht – sie ist elektrisch.
Alles was schmutzig ist in mir – es ist elektrisch.
Gebt mir den Skandal wieder.
Ich will den Skandal wiederhaben.
Und nun:
Der Skandal wird auf einem silbernen Tablett von grünen Fernsehkobras auf einem Bett von Wolken live übertragen.
Während ein Mann mit guter Frisur und guter Haut sich über die Lippen leckt und mit gewinnend anerkennenden Augen von einer Gondel auf dem Canal Grande zu uns rübersagt:
»My little Darling –
My eyes are filled with the prices you have won!««
Oder ist diese Arroganz vielleicht schon derart implizit im deutschen Wesen, dass es gar kein bewusst gesetztes Element mehr ist, wenn man Österreich den geografischen Süden abspricht –
Sondern kulturell ist?
Man könnte sogar auf sie verweisen als Teil der nationalen Identität?
Ja – sicher könnte ein Österreicher da Arroganz herausplastisieren,
Aber vielleicht nur weil es Teil der österreichischen Kultur ist, diese implizite Kleinheitsangst.
Mit einer breiterem nationalen Bewusstsein in der Brust Österreichs würde jede noch so harsche und selbst mutwillige Äußerung über Österreich an dem selbstbewussten Österreicher abprallen und auch der Deutsche hätte eine viel ehrlicheren und ungezwungeneren Umgang mit seinem Blick auf das Nachbarland.
Man kann ja nicht mal frei heraus sagen: »Österreich hat eine seltsame Form, da kann man ja gar nicht so genau sagen ob es da einen geographischen Süden gibt«, ohne die Empfindlichkeiten der Österreicher in die reiche Klaviatur der Phobien mit einzubeziehen, weil man vermuten muss, dass die Österreicher das wieder als deutsch-mitteleuropäische Arroganz auslegen und sich ungerecht behandelt fühlen.



Deutschlands Grafitti – Heute – Stuttgart



Deutschlands Grafitti – Heute – Harrislee




Trotz allem Gusto für den frühachziger Gruselfilm so widerte ihm doch so sehr vor der avernalischen B-Movie-Produzenten-Brut, dass er nicht umhin kam seinen Ekel subtil aber doch eindeutig mitzuettikitieren.



Deutschlands Grafitti – Heute – Schleswig



Gute Gründe für die Rückkehr dazu, den Kapitalismus nicht mehr länger in Frage zu stellen und die Zerstörung unserer Welt als notwendiges Übel hinzunehmen – Teil 5



Deutschlands Grafitti – Heute – Hamburg



Gute Gründe für die Rückkehr dazu, den Kapitalismus nicht mehr länger in Frage zu stellen und die Zerstörung unserer Welt als notwendiges Übel hinzunehmen – Teil 4



Deutschlands Spiele – Heute – Rise of Nations.



Irgendwo zwischen diesen Kurven liege ich in meiner kleinen Höhle des Nichtbegreifens und weine eine kleine Träne.



Es geht um den weißen Van.



Gute Gründe für die Rückkehr dazu, den Kapitalismus nicht mehr länger in Frage zu
stellen und die Zerstörung unserer Welt als notwendiges Übel
hinzunehmen – Teil 3



Auch die bereits in den Mainstream hineinverkommene Serie »Deutschlands
Grafitti« wird fortgesetzt – Heute – Wiesbaden



Deutschlands Parkplatznamensschilder – Heute – Niebüll.



Das geifernde Betteln der Fans hat ein Ende – die Reihe »Gute Gründe für
die Rückkehr dazu, den Kapitalismus nicht mehr länger in Frage zu
stellen und die Zerstörung unserer Welt als notwendiges Übel
hinzunehmen« wird fortgesetzt.



Leserbrief (an alle freien Medien):
Lieber Guido Knopp -
Ich möchte Ihnen in Ihr vom Karrierismus entstelltes Gesicht kotzen.
Hände weg von unserer Kultur, Sie diskursverwässernde Medienkrake.
Hochachtungsvoll
Ihr Nis-Momme Stockmann


Prärie
Wüstengepfeif
Jaulende Eichelhäher
Das Ticken eines gestorbenen BMW-Motors.
Die Grillen fallen ein in das Gekreisch des tumb durchs Weltall stürzenden Erdballs.
Es ist ganz ruhig am Feuer.
Knister-knitzel.
Mit einem Mal überkommt mich eine große, flache Ruhe.
Ich denke und fühle.
Mir fällt eine Geschichte ein, die ich lange vergessen habe, eine Geschichte, die einmal absolut und ganz und gar ich war:
Ich kannte mal ein Mädchen, das wohnte in einem Hotel und konnte die Sprache der Eichhörnchen sprechen.
Sie weinte schwere Tränen in ihre kleinen Hände, wenn die Tiere aufgeregt auf sie einredeten. Ich wollte sie fragen, was sie meinten, was sie bloß meinten, sie sagte immer nur: »Leer, leer, leer« und griff nach meiner Hand als würde sie sich durch mich in der Welt halten.
Sie, wir hatten so große Angst vor den Stimmen der Tiere, der Geister, wir trauten uns gar nicht mehr aus der Höhle.
»Wir reisen nicht mehr, okay?«, sagte sie immer wieder. Wir ließen uns einsperren, wir hatten solche Angst, wir trauten uns nicht laut zu atmen, oder auch nur unseren Brustkorb weit zu heben, wir atmeten ganz flach. Wir glaubten damals noch allen: »Sie haben recht, wir dürfen so nicht denken« – schwebte immer unter unserem Trotz und machte ihn harmlos und klein.
An der Kasse stritten wir.
Sie klaute Kaugummi und Dosenbier.
Sie war die Tochter eines berühmten Leierkastenspielers der für den Zirkus Affen das Autofahren beibrachte. Er war ein Zirkusmensch und immer im Rampenlicht und sehr berühmt.
Zuhause am Tisch konnte es passieren, dass ihr Vater so betrunken war, dass er mitten in einem heftigen Fluch mit der Stirn auf den Tisch aufschlug und plötzlich einschlief.
Wir stahlen ihm das Geld – er war reich – aus der Innentasche und kauften Brennspiritus.
Das war unsere Leidenschaft damals: Dinge anzünden.
Das war ja Jugend, die soll ja intensiv sein – »die Zeit bevor alles einschläft«.
Das alles fällt mir am Feuer ein, und als ich so in die Flammen sehe, da denke ich plötzlich:
Das bist du – der Mensch, der sich in der Vergangenheit ereignet hat. Diese ganze Sache, das bist du.
Du bist etwas, dich macht etwas aus – das ist gewesen!
Du bist etwas gewesen, das du dir selbst erzählst, wie du hier am Feuer sitzt und denkst: Wie fremd.
Denke ich.
Und darüber, wie alles war.
Was ich alles gehasst habe.
Was ich alles gemeint habe.
Die Grillen.
Die Sterne.
Die Gedanken.
Alles ist ausgebreitet und ausgefriedet.
Alles hat einen Namen.
Alles hat einen Platz.
Alles macht sein Geräusch.
Alles ist in seiner Ordnung.
Die Welt funktioniert.
Und wir in ihr.
Alles ist ausdiskutiert.
Und das »Früher«
Ist dokumentiert.
Und das »Später«
Ist prognostizierbar.
Aber wie die Grillen schreien
Und die Sterne schweigen
Und meine Erinnerung und meine Eltern vorgeben - sie wären ich,
Da schnüre ich
Meine schweren tiefprofiligen Wanderschuhe.
Die Welt liegt ruhig
Und schweige.
Ganz
Ganz
Still
Bevor-
(Geflüstert)
Was ist das?
Ich höre ein Geräusch?
Ist das etwa …
LEISE!
Ist das etwa …
der Sound eines sich im Gebüsch versteckenden Diskurses?
Oder hab ich nur …
Vor mir landet ein kleiner Vogel – oder bin ich der kleine Vogel?
Eine Reihe süßer Tiere erscheint am Lagerfeuer.
Ihre Stimmen machen Geräusche der Verwirrung.
Sie würden gerne näher kommen.
Aber sie sind schüchtern, viele erst noch Tierkinder.
Ein freundliches kleines Eichhörnchen biegt sich vor Lachen als es sich zu mir hintraut.
Es wird spontan mein kleiner Kuschelfreund.
Es ist ein bisschen tölpelig – ein dankbarer kleiner Sidekick.
Der Mond bricht durch.
Jetzt kann ich die Lichtung ganz einsehen.
Ein Cancan der Botanik – ein Strudel glücklicher Fauna.
Kleine Bären spielen Freundlichkeitsspiele des Glücks mit Kaninchen – Tänze der Freude, sie spielen die Castagnetten, ihre Gesichter sind ganz und gar menschlich, sie tragen Bärte und Hüte, rauchen Pfeife und spielen Rummykub.
Es ist eine Reise durch die Nacht – das Firmament lacht freundlich zu mir runter. Es sagt: Ich bin mit der Rakete der menschlichen Verzweiflung über den Zustand der Unverortbarkeit/Unprognostizierbarkeit/Unkatalogisierbarkeit der Welt zu dir gereist und bringe dir folgende Botschaft:
»Das Mittelmaß ist in Ordnung. Lass das Mittelmaß in deinen Bedürfnishorizont. Gründe eine Religion des Mittelmaßes. In der Okay ist, was niemandem schadet. Und in der jeder das haben soll, was er braucht und eben einfach nichts darüber hinaus.
Ein mittelmäßiger Messias, von mittelmäßiger Größe und mittelmäßigem rhetorischen Vermögen predigt unter Zuhilfenahme völlig mittelmäßiger Wunder die Welt- und Seelenerlösende Kraft des Mittelmaßes.«
Die Tiere und ich fühlen: Wir bekommen die Kraft zu werden, wir müssen nichts mehr sein. Außer zufrieden.
Fortschritt wofür? Wenn wir uns haben?
Verstehend trinken wir heißen Kakao, den ein kuscheliges Waschbärkind mitgebracht hat.
Ich bin ein Gong – Ich küsse alle Tiere.
»In der Brust der Menschen ist der ewige Fortschritt implantiert, als wäre es ein wohlfunktionierendes Fortschrittsimplantat«, spricht Vater Elch.
»Fortschritt – wofür?« Fragt mich das lächelnde Firmament noch einmal – ganz zart. Es will mich streicheln.
Aber es darf nicht!
Es besteht die Bedrohung des Disziplinierungs- und mit ihm des Produktivitäts- und Funktionalitätsdiskurses. Es ist eine Bedrohung für die anachronistischen christlichen und die schon immer stupiden feudalen Repressions- und Dressurtaktiken, die wir in unserer Gewöhnung an sie – und das ist der größte Trick des Teufels – selbst weiter verbreitern.
Das Firmament sagt:
»In unseren Kindern, denen wir sagen: wir lieben euch, oder viel eher: denen wir sagen, wie sie lieben sollen, implantieren wir eine Art zu lieben, mit der sie – erstmal erwachsen – so nicht lieben dürfen. Ihre Autos, ihre Hunde, ihre Kleidung – ja, alles was man besitzt – das dürfen sie lieben. Aber ihre Mitarbeiter, ihre Sekretärinnen, ihre Chefs, ihre Kommilitonen, ihre Nachbarn (wie sie ihre Mitmenschen nennen), müssen von ihrer Liebe gemieden werden. Und auch das Lieben muss frei sein von Liebe, und dafür voll von Struktur, Frust, Verbindlichkeit und Ausformuliertheit. Sie soll sein wie in Büchern beschrieben, wie in Filmen gezeigt, wie in Verträgen formuliert: verständlich, vor allen Dingen: prognostizierbar!
In Kuben arrangierbar.
Stapelbar, in den Parzellen in denen wir leben.«
Ach Firmament.
Ich bin so verliebt, so verliebt, so verliebt in dich – aber – o – es ist nicht erlaubt, es ist verboten, wo kommen wir zusammen, es darf nicht sein. Nichts darf uns verbinden, Firmament, – nichts als das kalte Metall einer stur und irgendwie taub im Weltall hängenden Rakete. Da wird geheiratet, da wird geschworen, da wird dressiert in der Weltraumkantine der Rakete – mit Blick auf die Sterne draußen, aber mit den Füßen auf totem, auf kaltem, von Menschenhand geschaffenen Boden. »Schwör mir alles« steht in altdeutscher Schrift an der Wand, »Schwör mir alles, damit ich dich haftbar machen kann.«
Darunter Soldaten mit Mädchen im Arm, die Bierkrüge halten.
Aber was wollen wir denn eigentlich, es ist doch nicht viel: Etwas ganz harmloses, etwas so einfaches: Wir wollen uns verbinden, wir wollen uns verketten, ohne zu bezeichnen: Mensch/Firmament – eine Verkettung, die sich nicht versteht, die niemand versteht, die sich dem verstehen entzieht, die niemand sortiert, die niemand bezeichnet, die niemand begreift, die begriffen zerspringt, die ist, was nichts ist, mehr als Ekstase und nicht weniger als: du und ich, Firmament, du und ich und Rock n Roll.
Diese Welt, diese Nacht, diese Gedanken, diese Gefühle – die mit dir und mir machen, was in uns spricht: uns verbinden (und eben uns nicht – arrangiert).
Und die Stimmen von Geistern und Tieren.
Am Feuer.
Die uns keine Angst mehr machen.
Die uns glücklich machen.
Eben weil wir sie nicht verstehen.
Der Tigerpapa sagt: »Die Höhlen liegen verödet«.
Du zum zerbrechen tolles Firmament – ich würd’ dir gern einfach sagen, wie toll ich dich finde, es wäre so schön es wäre gestattet und gewollt und nicht verschwiegen was wir sind: Verliebt, fasziniert, hingezogen, vor den Kopf gestoßen, verloren in vielleicht der einzigen nichtdrogenbedingten und durchweg nützlichen Ekstase:
Der Liebe.
Die
Hier
Unten
sanktioniert wird, verboten, dressiert, reguliert, nutzbar gemacht, so dass sie die Funktionalität nicht einschränkt, in den harmlosen Formen der normativen Zweisamkeit, die jeden Menschen erkalten, gleichgültig, stumpf, selektiv und zynisch im Umgang mit seiner kosmologischen Position macht.
Die arrangierte, strukturgeführte, strukturfähige Liebe.
Ach, o Firmament, du bist so schön, deine Turnschuhe sehen so cool aus an deinen wunderschönen Beinen, auf deinem Arm ist eine Tätowierung, ich zeige ganz oft drauf und frage dich etwas dazu, nur um dich berühren zu können – und alles sagt: Das ist gut, das ist gut, das ist gut. Ich sehe deine feinen, feinen Haare am Arm und jedes Mal, wenn ich dir ein Kompliment mache, richten sie sich auf.
Verrat!
Verfl-!
Firmament! Hast du gerade – ?
Du hast gerade zu dem süßen Bärenkind rübergekuckt. Du hast das süße Bärenkind liebend betrachtet Firmament. Ist das so Firmament, hast du das, hast du das süße Bärenkind liebend betrachtet verräterisches Firmament?
Wie kannst du mir –
Du weißt was das mit mir macht: Das evoziert bei mir Kleinheitsgefühle. Wegen meinem Narzissmus!
Das weißt du doch –
Doch!
Das weißt du!
Du sollst doch meine Angst mitdenken, mitlieben – das hab ich dir doch tausendfach gesagt!
Sind die Sterne gewickelt, hast du die Sterne in die Kita gebracht, hast du etwa Geld von der Ausbildungsversicherung der Sterne für die Versicherung des KFZ abgehoben? – Und denk daran Firmament, ich habe einen Exklusivitätsvertrag auf deine Liebe, sie gehört mir, wir haben sie erschlossen, sie ist fast sichtbar, jetzt gehört sie mir und ich werde erst dann Ruhe geben, wenn sie schal und verbraucht ist. Das ist bald – dann kann ich dich nicht mehr lieben, mich nicht mehr lieben, uns nicht mehr lieben – das ist die Dramaturgie der Liebe, das ist normal – Firmament, wach auf Firmament, das ist doch naiv von anderen Dingen und Zusammenhängen zu sprechen. Sei doch nicht so anachronistisch, Firmament.
Liebe, das ist wie der Geschmack den man nach durchsoffener Nacht im Mund hat.
Bald, Firmament, das weißt du, das ist die natürliche Dramaturgie der Liebe, da gibt es nur noch Postkarten von und Erinnerungen an das Mundharmonikaspiel der Hundewelpen am Lagerfeuer auf die man herabweint.
Ach – o
Ich kann dir einfach nicht böse sein Firmament. Ich brauch dich doch. Ich kann mich sonst nicht lieben, Firmament – ohne von dir begehrt zu werden. Komm, Firmament, nimm eine Tablette und leg dich hin. Es ist gut – wir sind ausgefranst, komm, wir beschwichtigen uns, beschwören uns zu Vernunft und kehren zur Routine zurück, okay?
Ich will dir nicht wehtun, Firmament! Ich tu den Eispickel erst weg, wenn du zur Vernunft gekommen bist, Firmament!
Es tut dir weh, wenn ich Zugang finde zur Liebe in mir. Ja, du brauchst mich kalt, prognostizierbar. Ja!
Komm, komm schon, komm in meine Arme, ich geb dir einen kalten, kalten Kuss. Die Liebe zu dir ist zu nichts zu gebrauchen, sie ist wie der Innenraum eines 1982 VW Golf den all die Jahre ein schwerer Raucher gefahren hat. Und die Liebe zu anderen verkneife ich mir.
Deine Liebe ist auf mich ausgerichtet. Sie ist ein Lichtkegel auf meine Eitelkeit.
Um mich tanzen die Tiere dieser Welt.
»Meine Seele soll herabsteigen. Herabsteigen!!!« – gehen sie mich an. »Werde wieder menschlich. Liebe, begehre, verzweifle – ein Leben mit Überraschungen, in Freiheit und in Liebe zu dir und jedem!«
»Du bist ein Beamter der Liebe – du bist wie die armen Teufel bei Kafka«, kreischen sie!
»Das sind Diskurse der Vergangenheit, sie sind beigelegt«, sagt ein Nachrichtensprecher mit ernster Brille in meinem Kopf.
Ich, das Firmament und die Prärie sitzen am Feuer und rauchen. Die Tiere springen aus den Büschen und setzten sich ganz selbstverständlich zu uns. Sie sprechen plötzlich Deutsch, angeregt über Agrarpolitik und Bildungssubventionen. Wie in einem Bergmannfilm, bloß das plötzlich sprechende Tiere aus dem Gebüsch kommen.
Wir staunen und liegen uns wie Geschwister im Arm, über meine Gänsehaut weht ein fast schon zu kalter Wind. Lass es nicht Nacht werden, lass es nicht vorbeiziehen – bitte – ich fühle mich alt und sterbend in meinem Sehnen. Ich denke: Was ist in dir, dass du dich so einsam fühlst. Was ist in dir, dass du nicht alleine sein kannst.
Was ist in dir, dass du immer so unglücklich wirst, wenn du daran denkst, dass du dich sehnst.
Ich wende mich an die kleine Hasenfamilie und spreche:
»In einer Höhle, voll von Tieren und Geisterstimmen, da wohne ich lieber alleine. Mit meinen Modernitätsneurosen ertrage ich allzu intensiven Kontakt nicht.
Aber ich bin so einsaaaam. Ich bin so schrecklich einsaaam.
Aber ihr in meiner Nähe – Gott nein!
Ich ertrage euch nicht so nah bei mir!«
Es ist zuviel – ich will wieder weniger verstehen – damit ich wieder zurück kann in die Stadt. Eure Satelliten ziehen vorbei und geben vor alles hätte geklappt.
Ich erkenne: Nein.
Ich kann nicht mehr zurück.
Und schnüre mir die Wanderschuhe zu.
»Thats it« habe ich auf ein Bandana geschrieben, dass ich mir umbinde.
Ich spreche meine vorbereitete Didaktik:
»Sei nicht mehr als du brauchst.
Sei nicht »ihr«, sei du, oder nicht mal, sei eine Verknüpfung mit den Liedern die du hörst, wenn das Radio aus ist.«
An meinen Sohlen ist Salz. Ich denke an meine Kindheit. Ich denke an den »Seewolf« im VHS-Rekorder. Ich sehe mich als Kind – ich sitze auf einem Sofa mit grausamer 80’er-Jahre-Marmorierung, das quietschende Geräusche macht, wenn ich mich bei jedem Synthiemusiksound zu Bildern von Schiffen in aufgebrachter See vor Weggehsehnsucht winde.
Es ist vorbei. Keiner geht – alle bleiben.
Aber bleiben ist zum Verrücktwerden dumm.
So dumm, dass man mit niemandem darüber reden kann, dass es so dumm ist, weil der eben zu dumm ist, weil er bleibt.
Das Wohnen, das Bleiben, das Nichtgehen – das tötet alles. Was wir brauchen ist der Geruch von Feuer, keine Städte die nach nichts riechen außer Stadt.
»Oder vielleicht«, sagt ein Eichelhäher von rechts, »und sie wissen das ist die induktivste Hypothese« fügt er feinfädig schmunzelnd hinzu, »brauchen wir ja auch: Brennende Städte, im Kerosinfeuer aufschreiende Menschenleiber, sich in Millisekunden in grünen Neutronenflammen zu Pulver verbrennende Landschaften – Armageddon, denn alles ist besser als dieses Dasein im Untot – das ist doch nicht Menschsein, das ist gelagert werden in einer Ordnung der auf Lexikalität geilen Welt« .
Ich will durch die Welt gehen und euch küssen – ich will euch umarmen, ich will mit euch an der Kasse stehen und küssen, Dosenbier kaufen, ich will euren schnarchenden Vätern das Geld aus der Tascheninnenseite nehmen um Brennspiritus zu kaufen. Alle Angst vor dem Tod verlieren. Mich besaufen. Neben euch aufwachen und gehen, aber euch immer immer immer in mir tragen. Ich bin bei euch, weil ich euch liebe, ihr liebt mich, weil ich gehe, ich gehe, weil ich euch liebe – wir gehen zusammen, wir gehen auseinander, nichts kann uns trennen – in unseren Gesichtern ist Licht, FEUER!
Nein, eigentlich will ich nur sagen dürfen wenn ihr mich fasziniert, wenn ich euch liebe, wenn ihr so toll seid, wie ihr seid. Deinen tollen Arm, mit deinen tollen Haaren, die sich auf diese tolle Art und Weise aufrichten, wenn ich dir in den Nacken atme, einfach ehrlich anatmen.
Aber für den großen Katalog der Dinge, den ihr Soziopathen anlegt, muss ich jede Lust auf Abenteuer zu einem schwarzen Kern in mir ballen. So, dass ich nicht einmal mehr dazu durchdringen kann: Was ist das, dieses Abenteuer – dafür fühle ich mich nicht mehr verantwortlich, das kann das deutsche Theater für mich abarbeiten, so dass ich abends im Bett nicht weinen muss und mir ganz und gar normal vorkomme in meiner Art zu leben und zu verknusen, die mich dahin führt, wo es dunkel und kalt ist, wo man seinen Schmerz darüber in Unerfüllung und Unbedeutung und Verkneifung zu sterben mit in eine kalte Höhle nimmt: Der Welt, eurer Welt, die ich verachte und trage!
Die Welt meiner Eltern in mir!
Ein Affe setzt sich zu mir.
Er spricht mit den Worten der Wildnis – Er sagt:
»Nis – lass dir folgendes gesagt sein:
All deine Regung, all dein Hoffen, all dein Leiden, all deine Pose, all dein Affekt ist dafür da um in lenkbaren Strukturen für den Kapitalmarkt evozierbar zu werden.«
Die Prärie singt das traurige Lied vom Untergang, von Apokalypse, Armageddon – am Ende ist sie ganz schwach, ich muss sie stützen, sie geht mich an in ihrer Verzweiflung:
»Ich verkünde den kommenden Sturm«, flüstert mir die Prärie ganz sozialistisch ins Ohr. Ihre Lippen atmen mir dabei so sanft und warm an meinen Hals, und ich rieche ganz süß und zart ihren Atem, dass ich zittere wie ein Baum im Wind und mich nach nichts anderem sehne, als Berührung und Gefühl und Verkettung und Verschwinden – ich will mich ablegen, ich will »wir« werden, im Tang verschlungen am Boden des Ozeans, exotische Fische schwimmen vorbei – wir brauchen nur eine Matratze, in einem kahlen Raum und Rotwein – wir sind das Medium, halten uns an der Hand, fahren zusammen Fahrrad und sind ein Draht zum Kosmos. Wir sind real, ich kucke zu dir rüber, ich würde so gerne sagen, wie wunderbar ich dich finde.
Aus dem Firmament bricht Gottes schwere Hand heraus. Tadelnd spricht er:
»Ihr dürft nur begehren, seid aber zu ewigem schlechten Gewissen verdammt in diesem Begehren. Ihr sollt euch immer und immer schlecht fühlen, für das was in euch ist und gutes will. Denn es schränkt die Produktivität ein und ist daher schmutzig und es gehört sich nicht die Menschen, die einen Lieben, jenseits der kulturell installierten Strukturen zu lieben. Denn so lässt sich euer »Müssen« nicht auf einen gegliederten Kanal ordinieren«.
Und Gott sprach weiter:
»Ich erkläre hiermit die großen Diskurse als beendet. Ihr sollt euch durch die winzigen, harmlosen zerfasern, damit es zu keinen großen Zerwürfnissen kommt, die euch vom wohnen, heizen, arbeiten und vor allen Dingen: Fernsehen abhalten.
Als Ausgleich gebe ich euch als Progressivität getarnte Stagnation, aus allen Rohren und mit Dolby Surround und in 3D.
Machen – wir wollen machen.
Ihr könnt in Frage stellen, aber nur die kleinen Sachen, niemals das Machen.
Und wenn ihr zu etwas durchdringt, dann immer nur die kleinen Faktoren:
Wann man feiern darf, und ob Selbstmord ok ist.
Wer jemanden wo was reinstecken darf und ob das normal ist.
Wann jemand wo reingehen darf und ob das normal ist.
Als was man sich wann verkleiden darf, damit das normal ist.
In Chören nickt ihr: »Das Fernsehen ist schuld, der Sex, die Ehe. «
Ha! – und ihr werdet nicht mehr merken, dass ihr selbst schuld seid, nur ihr alleine!
Und dass ihr Kinder zeugt die sich alleine fühlen.
Dass ihr statt Gärten Wüste anlegt.
Menschen, die alleine wohnen.
Tausende Menschen in Wohnblöcken zusammen, in denen sich alle einsam fühlen.
Sehnsüchtig = funktional = lenkbar
Der zufriedene Mensch ist Gift für das Progressivitätsdiktat.
Sehnsucht nach Bier.
Vor allem: Sehnsucht nach mehr Bier.
Sehnsucht nach Liebe.
Vor allem: Sehnsucht nach mehr Liebe.
Sehnsucht nach Sex.
Vor allem: Sehnsucht nach mehr Sex.
Ficken, schlafen, fressen, saufen.
Saufen, fressen, schlafen, ficken.
Mensch!
Du bist die Kugel im Roulettekessel“
Ich will rufen:
»Gott – ich hab genug. Ich feier deine Feste nicht mehr!
Ich teile nicht mehr deinen Rausch.
Der Weg ist frei.
Es reicht – es ist nur eine Haltung, nur eine Haltung. «
Aber ich habe Angst vor den Stimmen der Geister und der Tiere.
Das Feuer ist erloschen.
Es ist dunkel.
Es ist hell.
Die Grillen schreien.
Das Firmament lächelt blass.
Es ist kühl und flach.
Ich bin ganz alleine.
Ich schnüre
Meine schweren tiefprofiligen Wanderschuhe.
Die Welt liegt ruhig.
Hinter dem Gebüsch kicherte mein Eichhörnchenfreund.
Ich schweige.
Ganz.
Ich will gerade aufbrechen.
Da fällt mir ein Lied ein
Das ich vor mich her singe:
Wir sind Sterne, wir sind Staub
Wir sind kleiner als das Weltall
Kleinheitspflaser: Autos,
Raketen, Satelliten,
Brücken, Häuser, Schiffe.
Es reicht, es reicht, es reicht.
Ab in die Rakete – auf zum Herz der Sonne.
Anschnallen: Nein, danke!
Wir sind Stürme auf der Statik.
Wir sind Falken, wir sind Funken.
Wir gehen, nein wir stolpern.
Wir widersprechen und wir stottern.
Kein Mut, keine Größe.
Keine Ikonen und Geschichten.
Kein Verstehen und kein Deuten.
Kein Begreifen, kein Verorten.
Wir wollen nicht mehr bleiben.
Eure Sonne im Rücken.
Vor uns nur Schatten.
Und im Schatten sind Tiere,
Geister und Stimmen,
Wildnis und Weg,
Angst, aber Liebe.
Wir sind Sterne, wir sind Staub.
Wir sind Wind, wir sind Weg.
Wir sind glücklich – unterwegs.
Unterwegs – unterwegs.
Unterwegs – unterwegs.



Gute Gründe für die Rückkehr dazu, den Kapitalismus nicht mehr länger in Frage zu stellen und die Zerstörung unserer Welt als notwendiges Übel hinzunehmen - Teil 1





Würde ich endlich mal von einem Polizisten auf der Wache verhört, würde ich mit unglaublich schlecht imitiertem französischem Akzent behaupten, dass ich Ausländer sei und kein Wort Deutsch verstünde. Das wäre natürlich ganz offensichtlich gelogen, da es sich aber um eine kriminelle Lappalie handeln würde wegen der ich auf der Wache wäre – meine kriminelle Energie beschränkt sich ja auf ein lächerliches Maß – wäre die Lüge ohne größere Konsequenzen für mich, würde dem Grünen aber ein nicht unbedeutendes Quantum Lebenszeit vernichten, was ja auch schon mal als edle Tat zu werten ist.
Denn niemand mit dem alles in Ordnung ist wird freiwillig Schaffner, Busfahrer oder im Exzellenzbereich eben: Polizist.
Würde ich hingegen im Ausland verhaftet bräuchte ich meinem Feingeist die ganze weltliche Chose nicht zumuten. Ich könnte frei heraus – auf Deutsch – einfach die Wahrheit sagen. Nämlich, dass ich Ausländer sei und kein Wort der eben in dem jeweiligen Ausland gesprochenen Sprache spräche. Hi hi.
Ich hoffe ja auf diese Gelegenheit. Leider beschränkt sich meine kriminelle Energie auf ein lächerliches Maß und ich habe besonders im Ausland, wo man sich häufig ja noch gediegener verhält als in heimischen Zonen große Schwierigkeiten kriminell zu sein.
Wer kennt das nicht: Man bemüht sich aus aller Kraft verhaftet zu werden, schafft es aber nicht die nötige Rücksichtslosigkeit aufzubringen. Das ist sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal des Mitteleuropäers – diese fehlende kriminelle Energie wenn es drauf ankommt.
Ich muss allerdings auch, sollte mir einmal das Verhaftetwerden glücken, damit rechnen, dass man mir nicht abnimmt dass ich ein die heimische Sprache nicht beherrschender Ausländer wäre. Schließlich wäre meine Performance ja derart authentisch, dass sie nur wie der Betrug eines geschickten Ausländerimitators wirken kann.
Vielleicht würde ich die viel zu große Authentizität sogar selbst merken, versuchen das Ganze nicht ganz so aalglatt wirken zu lassen und unter diesem Versuch einen Dialekttouch der heimischen Sprache einbringen, der aufgrund meiner Laienhaftigkeit in diesem Feld, und meiner Nervosität deswegen mich zuletzt Schweißnass aufspringen lassen und alle umzubringen drohen würde, woraufhin ich von mit Restkokain in den gepflegten Schnurrbärten und in schrill-gelbroter Uniform steckenden Polizisten auf Grund der Folgen eines Postkartendiebstahls erschossen würde.
Das würde mir gründlich den Urlaub ruinieren. Und das will man ja schließlich auch nicht – bei allem Hass auf die Disziplinar-, Hierarchie- und Ordnungsanachronismen: Sich von der politischen Revolte den Urlaub vermiesen lassen.
Als begehrenswerter und in Folge dieser Begehrenswertigkeit begehrter Renegat den hirnfreien Stirnen der Bütteln des Establishments trotzen ist aber schon eine feine Nummer und man will das, denn das macht einen bei Freund und Feind interessant.
Aber die Folgen des politischen Renegattums … Keine Lust auf solche.
Hab zum Beispiel kaum Kleidung die nicht unter dem Wasserwerferstrahl leiden würde, denn ich trage gerne teure Stoffe.
Auch ist mir das ständige diskutieren lästig. Denn ich hab gerne eine eigene Meinung die ich lieber anderen aufdrücke als mir den Mund fusselig und die Birne heiß zu reden. Wo kämen wir da hin, wenn ich immer in einer Tour zuhörte – Pah. Ändert sowieso nix, das Gequatsche.
Meine Kinder, ihrer Zwei, verprügel ich zum Beispiel gerne und oft, wenn sie sich einen Vorschlag oder eine Meinung anmaßen. Das ist effektiver und macht auch mehr Spaß als das ja eher anstrengende argumentieren. Ich praktizier das mit solch großem Vergnügen, da die beiden sich überhaupt nicht wehren können und das deshalb sehr einfach ist. Ich schreie sie dabei an: So etwas wie eine Seele gibt es nicht – nur Körper! Nur Körper!
Ich wünschte das ginge bei anderen Personenkreisen auch so. Aber nix da. Ständig immer gegen an. Das schockt nicht – wie ich früher gerne sagte.
Daher greife ich, vor allem wenn ich körperlich unterlegen bin und kein Bock habe das ganze »in aller Ruhe auszuquatschen« zu den Mitteln des Schlaufuchses: Denunziation oder in besonderen Härtefällen Gift.
Scheiß Menschen.
Allerdings welcher Hass ist so gewinnbringend wie der auf den Menschen.
Eine Kasserolle oder einen Bierdeckel kann man doch niemals so erotisch hassen wie Silvio Berlusconi oder den späten Paul McCartney.
Apropos Hass. Ich habe letztens einen Menschen gesehen der sich das coole Wort »Hass« auf die Finger tätowiert hatte. Viel cooler als die Leute die sich das Wort »Hate« auf die Finger tätowieren lassen.
Was ist man für ein mit dem Wort »Hate« auf die behaarten Finger tätowierter Schurke, wenn man sich über die politische Korrektheit des Wortes »Hass« Sorgen macht.
Ne. Leuten die das Worte »Hate« auf die Finger tätowiert haben, schmettere ich immer nach einer vorher natürlich zu verneinenden Frage nach ihrer Angehörigkeit zum angelsächsischen Sprachraum, grobe Flüche über ihre gesellschaftliche Harmlosigkeit in ihre gesellschaftlich harmlosen Fressen.
Man sollte diesen Menschen einfach auch mal ganz vernünftig und ruhig sagen, dass es auch einen Haufen anderer 4-lettriger Wörter gibt, die man sich ruhigen Gewissens auf die haarigen Finger tätowieren lassen könnte und die einen gesellschaftlichen Nutzen hätten: Ein Ruck zu Gunsten der Mitbürgerunterhaltung und zu Lasten der Mitbürgerfremdscham über das Eintätowierenlassen des Wortes »Hate«:
Brot
Wien
Viel
Elfe
Käse
Ekel
Ich!
Geld
Back
Igel
Ich denke kurz traurig an das diskursive Potential dass die Politisierung des bisher ja eher hohlen Tätowiervorgangs als Kunstperformance hätte.
Dann denke ich an all den körperperformativen Diskursterrorismus des Theaters: »Tanz – das ist eine Warzone des banalen«.
Und bin erleichtert zu entdecken dass man nicht gezwungenermaßen dumm sein muss, wenn man sich nach etwas sehnt, von dem man im nächsten Augenblick überzeugt ist dass es ein großer Irrtum, ja die Hölle auf Erden wäre. Was für eine holistische Kraft diese winzige Reflektion hat: Es ist so erleichternd zu sehen wie implantiert sozusagen der Irrtum in jede Entscheidungsfindung ist.
Für die Themanörgler: Ich denke an diese Schleifspur von Fehlern die meinen Körper heute hier hin gezogen hat. Heute, hier hin. Ein Ritt der Idiotie, der Uneinsicht, sogar: ausgesprochener Dämlichkeit.
Und hier kommt es (Täterätääää): Man ist halt Mensch – man ist halt Körper. Und der transportiert »einen« oder eben »sich« und zack ist er da, steht im Leben und schreibt Zeug auf Papier und bemüht sich um Konkretion auf allen Ebenen.
Und egal wie sehr man sich sehnt, alles Handeln ist beseelt von Hadern und Irrtum. Und all unser Sehnen kann nur dahin zielen, der lähmenden Stringenz eines großen Irrtums aus dem Weg zu gehen und wie ein Gummiball auf die kleineren aufzuhüpfen und von ihnen fortzuschnellen.
In Richtung eines papierenen Himmels einer humanistischen Freiheit, die nicht mal als Paradigma taugt, nur eben als ewig schlechtes Gewissen eines Haufens sich zu guter Laune und Einsicht zwingender Agnostiker.
Glitzelibling – das ist all unsere Bewegung.
Ich bin davon.
Was am Ende dabei rum kommt bleibt aber immer wieder das gleiche: Eine Wirklichkeit.
Ein Raumzeitgefüge an dem man eben mitarbeitet und gegen deren Mitarbeiten mit seiner Körperlichkeit in der Vergangenheit man nun mal sowas von überhaupt nichts machen kann.
Ich bin froh, denn ich habe etwas Wichtiges gelernt:
Wir sind alle dumm – per Konzept.
Ihr wie ich. Die wie wir.
Wir sind dumme Körper im Stream of reality.
Aber was unterscheidet einen von den richtigen Arschlöchern: Genau, die Fähigkeit Sühne zu leisten und Einsicht zu zeigen.
Und aus diesem Grunde halte ich mir hiermit offiziell die Option offen, dass die Körperperformance, und das Politisieren des Tätowiervorgangs 4-lettriger Wörter auf behaarte Finger der Weg zu Wahrheit sind.
Und weil alle Reflexionen die potentielle Kraft haben in einer Reflexionssingulariät wie beschrieben zusammenzulaufen und unsere Persona komplett auszutauschen, muss man davon ausgehen, dass nichts in unserer menschlichen – in ihrer medialen Perzeption von unserer Kleinheit bestimmten – Welt stringent ist, außer dem Chaos der Holistik. Wir verschmähen die Wirkung von Phänomenen die uns nicht als »transportabel« genug erscheinen – aber die Holistik und ihre unvorhersehbare Dramaturgie – sie wird uns kriegen.
Der Film repräsentativ für das rezeptorische Schema – Anfang/Mitte/Ende? – Die Holistik lacht euch aus.
Als Appetizer für die seltsame Programmatik der Holistik nehmen sie bitte die Wirkung die folgende Tanzperformance auf sie haben wird.
[Musik]
[Körperperformance]
Brot
Wien
Viel
Elfe
Käse
Ekel
Ich!
Geld
Back
Igel



Sie defilieren durch Monaco, Bern, Paris, leben mit dezentem Edelmut ein ständisches Dasein in vollendeter Eleganz - um dann und am Ende doch wie jeder eitle Hannes ihren Status in der tautologischsten Art und Weise auf den Tischen Neuköllner Restaurants zu Markte zu tragen. Was ist sie, die Muschel? (trauriges Kopfschütteln).



Weil Herbst ist gehen wir langsam rum.
Weil wir immer traurig sind.
Braune Jacken. Braune Hosen. Hohe Krägen.
Weil Hundescheiße in unseren Vierteln liegt.
Weil wir nicht so gut lächeln können.
Kucken wir nach unten auf den Weg.
Alles bleibt immer liegen
Ich mach mir lange Listen.
Da steht:
Zur Post gehen.
Spültabs kaufen.
Zum Zahnarzt gehen.
Ich hab ein paar Freunde
Die können gut malen
Die können gut Musik machen
Ich kann von allem nicht genug.
Ich bin gewöhnlich
Niemand versteht mich.
Aber nicht dieses: »Oh bist du cool«-nicht-verstehen. Nicht dieses »Oh du bist ein Künstler«- nicht-verstehen.
Einfach nur »ich versteh dich nicht«.
Zum Beispiel so:
Bist du dumm?
Warum bist du so seltsam.
Warum kannst du nicht einmal freundlich sein.
Deine Gedichte haben keine Pointen.
Schreib mal mit ein bisschen mehr mit interessanten Worten.
Das machst du doch extra, so schreiben wie man redet
Im Herbst sind Jacken wie gute Freunde.
Im Herbst rockt man nicht ohne weiteres das Haus.
Im Herbst finde ich dich nicht so ohne weiteres unglaublich unglaublich hübsch.
Aber immer noch unglaublich genug, als das ich mich niemals niemals trauen würde dich anzusprechen.
Im Herbst kauft man Orangensaft
Im Herbst vergisst man die Wäsche auf dem Balkon
Jahreszeit des trotzigen Widerspruchs in Klassenzimmern.
Der traurigen Blicke
Der Telefonate die mit »Leck mich am Arsch« anfangen.
Wir treffen uns und backen Kekse
Aber nichts kann darüber wegtäuschen: Wir sind ein Jahr älter geworden
Keiner von uns hat mehr so richtig gute Laune
Die DVD dreht sich langsam im Gerät
Die Biere schmecken ranzig.
Es macht keine Lust sie zu trinken
Die Musik von damals nervt uns
Wir alle hören jetzt verschiedene
Du trägst eine Lederjacke.
Du eighties urban
Von der Tragik des Älterwerdens
Und vom Gurkensalat
Handeln unsere Gespräche.
Am Abend bleibst du
Ich halte dir die ganze Zeit mein trauriges Gesicht hin
Wir stellen fest: Das Gruppieren macht keinen Spaß mehr.
Wir stellen fest: Das ist der erste Schritt in ein anderes Leben.
Wir stellen fest: Das mit dem Sex ist alles nicht mehr so einfach.
Und wenn wenigstens das Kennenlernen …
Oder das sich weiterhin kenn …
Du sagst die Musik die ich höre ist scheiße.
Die interessiert kein Schwein
Ich hör die nur weil die keiner hört
Protestmusikgeschmack
Die kann niemand toll finden.
Die ist nur was für absolute Nerds.
Du willst mich von Indietronic überzeugen.
Durch bloßes argumentieren
Ich beschreib dir die Gefühle
Die mir die Neue Deutsche Welle macht.
Wir fahren mit Automobilen
Und mit Booten am Feiertag
Manchmal fahren wir Taxen
Wenn wir betrunken sind fotografieren wir Rikschas.
»Understatement ist die kenntnisreichere Form der Prahlerei«
Sagt der Dichter.
Wir spielen auf Klarinetten und Oboen.
Wir gehen in Galerien und Cafés
Wir feiern unser Unverständnis
Die Tragik beim Kucken ist einfach herzustellen
Elke Heidenreich ist die Tante von Campino
Störche auf Feldern bestaunen wir
Meine Oma hat Thrombosen
Ich verwechsel sie mit ihr.




Nis-Momme Stockmann: Lieber Soeren - Folgende Parabel:
Ich hetze durch eine mir unbekannte Stadt. Kafkaesk schiefe Bürobauten verjüngen sich am Horizont zu Zauberwürfeln. Sich verknotende Perspektiven. An den Straßenseiten kniende Menschen gehen mich mit sich ins Weiße verdrehenden Augen an: Bitte: Sinn. Bitte: Kausalität. Bitte: Verstehen.
In meiner Qual der ganzen Sache Sinn zu geben, schleife ich mich wie ein angeschossener Hund durch die körperleeren Gassen dieser Welt.
Nur der traumartige Zwang die Dinge in dieser Welt zu sortieren - dem ich seltsam selbstverständlich nachgehe - treibt mich weiter.
Vor einer Tür in einem verschneiten Hinterhof halte ich schließlich an.
Ich klopfe an die Tür.
Niemand öffnet, aber ich sehe ganz genau, dass da drinnen jemand ist.
Ein warmer Ofen knistert.
Geduldig polierte Martinigläser machen ein »Pling Plong« beim sympathischen Aneinadergeraten. Es hängt minutenlang im Raum – es ist ein wahres Antidepressiva, dieses Geräusch. Da drinnen ist alles beseelt von der Kontinuität eines funktionierenden Raumzeitgefüges.
Neben mir trinkt ein Sonett in einem Overall aus pinkem Sprühlaktat Brüderschaft mit einem Tauchsieder.
Niemand rührt sich. Ich klingle wieder.
»Lassen Sie mich rein, bitte lassen Sie mich rein – ich bin Dramatiker.«
Pause, verirrtes Schnarren, unterdrücktes Lachen.
»Bitte lassen Sie mich rein in Ihr Häuschen – mir friert. Hören Sie doch, ich bin Dramatiker!«
Dann nach einer endlosen Weile:
»Ich kann Sie nicht reinlassen - «
Lachen
» - Stattdessen kann ich Ihnen aber gerne ein wenig davon erzählen, wie es hier drinnen aussieht und riecht. Hier durch die Tür. Wie es sich anfühlt hier drinnen im Warmen, im Sortierten, im Funktionierenden zu sein. Und Sie können ja, dann das, was ich Ihnen erzähle mit nach draußen nehmen und es den Leuten zeigen. «
»Aber –«
»Nix aber – da folge ich doch Ihrer Behauptung, oder?«
Lautes Lachen
»Kann ich nicht wenigstens filmen oder Fotos machen?«
»Ja, Sie haben recht, das würde Ihnen natürlich ein viel besseres Bild machen.«
Gutgelauntes Schniefen und dieses Drucksen, wenn jemand etwas Sexuelles macht in unmittelbarer Nähe von jemandem, der das nicht sehen kann.
»Wissen Sie was, Sie sollten mal durchgehen, ob das so der richtige Weg ist.«
»Ich bin wichtig! Hören Sie: Ich bin wichtig. Aufmachen. Aufmachen. Es ist wichtig, dass ich da rein - «
Der Wind pfeift so laut.
Mir schneit es in den Kragen. Drinnen höre ich das angenehme Kratzen eines Plattenspielers. Loungemusik: Free Orbit.
Man hört, wie ein riesiger Flokati ausgerollt wird.
Ich wende mich den zuckenden Augäpfeln zu, den gierig ausgestreckten Händen und schlurfe zu einem makaber schiefen, den Regeln der Physik besonders trotzig begegnenden Gebäude: »Schauspiel« steht in groben Lettern darüber.
»Haha« denke ich, »Diesmal hab ich etwas – da werden die staunen«.
Soeren Voima: Lieber Nis - hier endlich die Fortsetzung Deiner Parabel:
Ich betrete das Schauspiel durch den Bühneneingang. Kaum habe ich meinen Namen genannt, springt der betagte Pförtner wieselflink aus seinem gläsernen Kabuff, um mir mit weltmännischer Geste die Tür aufzuhalten. »Endlich! Wir erwarten Sie doch schon!«
Na, dann wartet mal ab! Feuchter und dankbarer Händedruck.
»Der Dramatiker! Der Dramatiker!« Über das hausinterne Telefonsystem verbreitet sich die Nachricht meiner Ankunft in Windeseile. Aus Bürotüren, Toiletten, Garderoben und Treppenhäusern des winkeligen und weitläufigen Gebäudes treten mir unzählige Gesichter entgegen. Zufrieden und erwartungsfroh heften sich Blicke an mich. Schüchterne zupfen noch Blusen zurecht, hier und da hebt forsch eine Hand sich zum Gruß.
»Mein Lieber! Endlich! Wo hast Du gesteckt?«
Ich werde hinterrücks umarmt. Ein Blumenstrauß stürzt auf mich ein, der Intendant. Wie eine Waffe reiße ich meinen Text aus der Tasche und schwenke ihn drohend in der Luft.
»Hier hab ich was – Ihr werdet staunen!«
»Sicher doch. Jetzt komm, ich zeig dir erst einmal mein Haus!«
Eine Delegation setzt sich in Bewegung. Vorneweg der Intendant. Ich, umringt von Schauspielern und Assistenten. Ja, wenn Ihr wüsstet, meine Lieben!
»Da, Ihre Garderobe, hier die unseren. «
Der Intendant zeigt stolz auf dies und jenes, studiert dabei im Gehen meinen Text. Mal grunzt er zustimmend, mal lacht er kurz und zwinkert mir vertraulich zu. Putzfrauen mit Kopftüchern polieren vor uns den Weg. Scheu huschen sie zur Seite, wenn wir nahen.
»Da, Ihr Foyer. Hier, unsere Kantine.«
»Da, Ihr Zuschauerraum. Hier, unsere Bühne.«
Alles in diesem äußerlich schiefen, den Regeln der Physik trotzenden Gebäude ist inwendig von einer so einfachen Symmetrie, dass ich unwillkürlich nach einem Doppelgänger suche. Der Intendant reibt sich die Hände, klatscht.
»Ein starkes Stück! Genau so was hab ich von Dir erwartet!«
Kein Staunen, keine Aufregung: Die Probebühne. Verständnis wird vorausgesetzt. Kausalitäten sind bekannt. Kostüme noch im Fundus. Mit tausend Beispielen aus Film- und Fernsehwelt erklärt ein kluger Regisseur meine Gedanken. Die Schauspieler gehn in die Knie und glänzen. Ein paar verdrehen aus Spaß ihre Augen makellos ins Weiße hinüber. Der Regisseur beobachtet mich ernst.
Ein paar Wochen später höre ich meinen Text. Er tritt mir wie ein Spiegelbild von der Bühne aus entgegen. Die Worte sind von einem überwältigenden Sinn geradezu entstellt. Sie sagen fortwährend nichts anderes als: Wir hier auf der Bühne, Du dort im Zuschauerraum. Die Leute um mich rufen: Bravo! Sie antworten begeistert: Wir hier im Zuschauerraum, Du dort auf der Bühne!
Auf der Premierenfeier Umarmungen. Tränen der Dankbarkeit. Verbrüderung zwischen Wildfremden.
Verzweifelt verlasse ich das Gebäude. Der Pförtner schnarcht im Kabuff. Vor mir die unbekannte und sinnlos verregnete Visage der Stadt.



Auf den Wegen stehen Tiere
Auf den Straßen fahren Autos
In den Häusern leben Menschen
Und die Menschen haben Herzen
Haben Nieren und Gehirne
Und vor allem: Langeweile.
Und die Organe werden älter.
Und ihr Kopf und ihre Haltung
Und die Gassen und die Wege
Werden durchs Getretenwerden.
Staubig, schief,
fast schön
Auf Balkonen wachsen Blumen
In den Straßen fahren Räder
Auf Terassen trinkt man Biere
In den Läden schimpfen Menschen.
In ihren Herzen wohnen Trolle
Und das Saufen und das Ficken
Und der Zivilkontakt
Und das Spielen und das Fluchen.
Und das Schlafen und das Schlagen.
Und das Dagegen und Dafür.
Und der Appell an die Vernunft
Und das sich interessant machen wollen
Und die unter dem Deckmantel eines Freundschaftbedürfnisses mit Augen und Armen
vorgetragenen Verliebtheitsgeständnisse
Und vor allen Dingen die Weggehkultur
Sprengen alle vom menschlichen Gehirn vorstellbaren Limits der Langeweile.
So wie alles hier – außer dir.



Arzt: Guten Tag, ich würde gerne Ihren Körper untersuchen. Wo kann denn hier was nicht in Ordnung sein?
Potentieller Patient: Herr Doktor, ich finde es gut und wichtig, dass es einen Menschen gibt, der so was untersucht, und vor allen Dingen, dass Sie die Untersuchung einem Produkt gar nicht unähnlich frei marktwirtschaftlich feilbieten.
Dosengelächter
Wäre der Approach zur medizinischen Untersuchung ein einfacherer – o, so wahr mir Gott helfe – ich würde mich häufiger –
Arzt: Bitte begeben Sie sich doch auf Ihr schönes Futonbett. Ich untersuche Sie schon mal, während Sie mäandern.
Patient: - wenn nicht sogar täglich untersuchen lassen und gar auf Krankheit hoffen.
Denn nur dem Kranken kommt die Genesung zu und ich fühle mich schmutzig und dadurch der Genesung bedürftig.
Die Kolonialisierungsverbrechen Europas lasten auf mir. Sehen Sie die Bußestriemen auf meinem Rücken - die hab ich mir selbst zugefügt.
Arzt: Europas? Wie bitte - Sie brauchen sich doch nicht für Europa verantwortlich fühlen. Sie haben doch gar kein europäisches Identitätsgefühl. Sie sind doch identitätsgefühlloser Deutscher.
Potentieller Patient: Österreicher.
Arzt: Noch besser. Also, da brauchen Sie sich doch wohl für überhaupt nichts schlecht fühlen.
Patient: Aber wenn ich mich als Europäer nicht schlecht fühlen muss, dann doch auch nicht als Österreicher -
Arzt: Als Österreicher schon mal gar nicht.
Patient: - und wenn ich mich nicht zum Kollektiv der Schuldigen rechnen kann, dann doch auch nicht zum Kollektiv der Entlasteten. Auch verwirrt mich: Die Buße erscheint mir sinnvoll und gefällt mir also. Sollte die Buße mir gefallen? Kann man dann noch von Buße sprechen?
Arzt: Die Österreicher müssen sich nicht schlecht fühlen. Die müssen nur nationalstolz sein und bitte, von mir aus: ihren Nationalstolz mal in Frage stellen. Und die Europäer müssen erstmal eine kollektive Identität herausbilden, bevor sie sich als solche schlecht fühlen können.
Ich verschreibe Ihnen folgenden Bußesatz:
Die Regenbogenschlange ist sehr bunt und macht alle Kolonialisierungsverbrechen ungeschehen. Sagen Sie diesen Satz jederzeit! Ihr ganzes Leben lang.
Er notiert ein Rezept. Dosengelächter.
Moment mal! (Er sieht den Patienten lange und durchdringend an.)
Still – bleiben Sie mal ganz still stehen.
Potz Blitz und Anarchie!
Patient: Was denn, was ist denn?
Arzt: Ihre Figurenbezeichnung hat sich gerade von »Potentieller Patient« zu »Patient« geändert.
Patient: Beruhigen Sie sich. Das zeigt doch lediglich, dass der Autor kein Schindluder mit »Copy und Paste« betreibt, sondern sorgfältig und bedacht notiert. Ich habe den Status geändert und bin nun dazu übergegangen, Patient zu sein.
Arzt: Ha, aber sehen Sie mal – Replik 4, da steht auch schon »Patient«, obwohl Sie noch gar nicht Patient waren, sondern nur potentieller Patient. Scheint doch sehr schnell und oberflächlich getippt zu sein. Hier, ich lege es als Beweis als Folie auf den Tageslichtprojektor.
Patient (nach der Prüfung und einer Pause nachdenklich kausalisierend): – in einem diegetischen Wirklichkeitsgefüge hätten Sie keine Folie des Textes vorbereiten können, den wir gerade sprechen.
Arzt: Sehr richtig und daher bleibt mir auch nichts anderes übrig, als anzunehmen …
Patient: Sie wollen doch nicht etwa sagen …
Dosengelächter
Arzt: Durchaus.
Mysteriöse Musik. Der Arzt nimmt seine Pfeife und blickt in die Kamera.
Arzt: Es bleibt mir nichts anderes, als in Frage zu stellen – ob wir überhaupt existieren.
Fanfare
Patient: Das kann nicht sein. Aber befühlen Sie doch meinen Körper. Hier fühlen Sie mich. Ich existiere. Ich bin ein Patient. Ich existiere.
Arzt: Die bloße Behauptung lässt Sie nicht existieren. Auf diesem Wege könnte ich auch die Existenz Gottes beweisen. So geht das nicht. So kann ja jeder was beweisen – die Kausalität umschleichen.
Patient: Mit Kausalität kommen wir hier nicht weiter. Was hier vorliegt, ist ganz klar: Eine Anarchie der Behauptungskette. Die Stringenz dieser Diegese ist aus den Angeln gerissen. Exisiteren wir als Prototypen, als Schauspieler, als Figuren, als Idee, als Archetyp, als Autor? Ich werde verrückt!
Das kann nicht sein. Ist das mein Gesicht? WAS BIN ICH?
Ich schwöre Ihnen, wenn das hier wahr ist, bring ich uns beide um.
Dosengelächter
Nein, ich bin wirklich!
Arzt: Ich lasse mir von Ihnen, der unter Umständen nicht existiert, die Möglichkeit, unter Umständen nicht zu existieren, doch nicht ausreden.
Patient: Aber: Ich bin wirklich. Hier – mein Körper.
Arzt: Was ist ein Körper? Wein hat auch einen Körper. Das ist nur ein Begriff, kein Beweis.
Patient: Aber ich denke, ich spreche, ich besitze Vernunft. Ich habe Macht. Ich domestiziere Tiere, ich kultiviere Pflanzen. Ich mache mir die Welt dienbar. Ich zerstöre sie, mich und andere.
Arzt: Das, was Sie da ausweisen als das, was Sie wirklich macht, gehört der Kultur und der Evolution und nicht Ihnen. Vielleicht haben Sie doch Recht und Sie sind ein Körper. Aber gewissermaßen einer aus Pappmaché. Denn Sie sind nur Ihr Körper und auf den sollten Sie aufpassen.
Daher bewegen Sie Ihren Körper ruhig durch diese Wirklichkeit – Geschäftigkeit, Geschäftigkeit, Erwehrung des Finales, des Todes, Stiftung Ihnen nachfolgender und es Ihnen gleichtuender Generationen.
Bei Gott – realisieren Sie nicht: (hysterisch geschrien) Wir müssen Ihren Körper erhalten.
(pathetisch) Denn Sie haben nur Ihren Körper. Und sonst nichts.
Patient: Es geht Ihnen gar nicht um meinen Körper, sondern um eine prinzipielle Körpererhaltung. Ich lasse mich nur von Ihnen untersuchen, wenn Sie versprechen, dass es Ihnen ausgewiesen um diesen Körper, um meine Persona geht.
Arzt: Was ich an Ihnen retten will, das bin ich in Ihnen, was mich treibt, ist der Gedanke an eigene Rettung durch andere. Und: Die Existenz einer solchen Persona stelle ich überhaupt mal in Frage.
Patient: Wir sprechen, also sind wir!
Arzt: Wir behaupten, dass wir sind, weil wir meinen, klassifizieren zu können, was »sein« ist. Weil wir einordnen, was existiert und was nicht, kann alles existieren und nichts.
Ihre Behauptung macht Sie noch verdächtiger, überhaupt nicht zu existieren. Sie leiten mit der Hysterie des »nicht Existenten« her, dass sie existieren.
Bedenklich.
Patient: Wir schaffen es, 53 Milliarden Nutztiere im Jahr zu töten, weil wir ihr „Sein“ in Frage stellen oder in die Latenz verschieben. Warum nicht mich, der jemand Einzelnes ist, existent machen?
Arzt: Was heißt hier »wir«?
Patient: Langsam habe ich das Gefühl, ich hab gar keine Chance. Sie wollen sagen, so etwas wie Kontinuität, so etwas wie Stringenz, Verständlichkeit, Struktur – das existiert gar nicht. Warum argumentieren Sie dann noch, wenn so etwas wie Sinnhaftigkeit überhaupt nicht existiert und unsere Kausalität nur eine Korrekturformel, ein Glaubensmodell ist, das genauso blind und leer wie alles ist.
Lange Pause. Der Arzt legt seine Pfeife weg.
Arzt: (mit glänzenden Augen, sehr langsam)
Doch es gibt da etwas.
Lange Pause. Mysteriös schöne Musik.
Es war einst, als ich noch junger Polarforscher war.
Ich fand es nach langer Wanderschaft und kurz vor dem Delirium – meine Mitstreiter waren alle tot – in einer Höhle.
Es lag in einer Kiste und glänzte da so ruhig und selbstverständlich.
Es war wunderschön.
Es war perfekt in seiner Stringenz.
Es machte so absolut und total Sinn.
Es war die Antwort auf die Frage nach Sinn und Vernunft.
Es war die perfekte Ausfriedung einer jahrhundertealten ästhetischen Suche.
Es war das Gold, nach dem wir so lange gesucht haben. Der Schatz am Boden des Sees.
Sinn.
Und ich hatte es vor mir.
Und da kam es mir, die eine heilige Sache, auf die ich in meinem Leben verweisen kann:
Und wenn die gesamte Diskursivität des Abends auch ohne Frucht war, und wenn wir auch nichts gelernt haben über die Körper, ihre Art und ihre Welt, so doch das eine, was ich auch einst in der Höhle vorfand –
Nämlich das –
Patient wirft seine Verkleidung ab
Patient: Stop – Gestatten Sie, dass ich Ihnen meine wahre Identität darstelle: Zinnschlegel von der Sondereinheit des Bundesministeriums gegen stringente Kontinuität. Sie sind im dringenden Tatverdacht, kurz davor gewesen zu sein, diesem Abend eine stringente Kontinuität gegeben haben zu wollen. Ich muss Sie darauf hinweisen, dass, wenn Sie das zugeben, ich befugt bin, Sie umzubringen, Ihr Gehirn zu entnehmen und es zu essen.
Dosengelächter
Der Arzt lacht diabolisch
Arzt: Weit gefehlt: Gestatten Sie, dass ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Buttertrommel von der Sondereinheit des Ministerium für seltsame Dramaturgie, und Sie sind im dringenden Tatverdacht hier die Dramaturgie in eine verständliche, nichtseltsame Richtung leiten wollen gewollt zu haben.
Ich weise auf ihren Versuch hin, mache auf das Entstehen der Phlogistontheorie aufmerksam (zeigt irgendwo hin) und zähle jetzt erstmal Währungen auf:
(Nichts)
Abschließend lassen Sie sich noch folgendes gesagt sein: Ein Robotermensch hat den Horizont erschlossen und geht jetzt tapfer Richtung Welt zurück. Aber sie liegt irgendwo da hinten und je länger er geht, umso weiter entfernt er sich. Gäbe es ein Gefühl, da unten in seiner gähnenden Roboterbrust – es wäre Frust.
Wir sehen ihn, wie er geht – weit hinten mit seinem goldenen Körper.
Jeder Schritt dauert tausend Stunden.
Wir hören ihn brummen.
Er brummt ein trauriges Lied.
Das Lied ist in einer fremden Sprache – aber eigenartigerweise verstehen wir es.
Es geht so:
»Es war mal ein peinliches Licht, das konnte jedem Menschen über ein Loch in der Stirn direkt in die Seele scheinen und dort das Internet, das gesamte Fernsehen und alles zu kaufen, was es gab, einspeisen und alle Nachrichten auch.
Dann kommt ein geschriener Part in dem Lied, das ein Volkslied war, ein echter Hit:
KAUFEN SIE ETWAS MIT IHRER KREDITKARTE.
Dann geflüstert: Ihr Körper ist mit einer mystischen Kraft ausgestattet.
Dann wieder geschrien:
DER KAUFKRAFT.
KAUFEN MACHT SPASS. ÜBER DIE KONSEQUENZEN NACHDENKEN IST LANGWEILIG.
WOLLEN SIE WIRKLICH EIN LANGWEILER SEIN?
Und mit einem Mal, wie man befüllt war mit all dem,
da entwickelte sich plötzlich eine schreckliche Scham.
Eine schreckliche Scham.
Und es war uns nicht mehr möglich die Dinge zu sehen, wie sie gesehen werden müssen, damit einen die Dinge weitestgehend in Ruhe lassen und man sie nicht und sie einen nicht im Existieren stören.
So stellte man alles in Frage mit diesem peinlichen Licht, das sehr weiß in einem wütend brannte, wie mit Kerosin befeuert war man in dieser Peinlichkeit und alles war einem peinlich.
Man war wie in das Licht gestellt, gegenüber jedem und allem.
Und wenn man ein Quadrat auswies – man zeigte auf das Quadrat und sagte: Das ist ein Quadrat, dann wurde das als Lüge gehalten und man verschwand und hatte keinen Bestand gegenüber niemandem.
Und alle Menschen waren eingefangen von diesem peinlichen Licht.
Und ein Todesjesus, den man auch nicht ans Kreuz nageln konnte, der ergriff die Macht und war die Welt. Der böse Todesjesus, der mit Absicht ein schlechter Tischler war in den ersten 30 Jahren seines Lebens und sich dann einen Ruf machte als ausgezeichneter Kunstschreiner, was niemand begriff, dem er einen schiefen Tisch gebaut hatte.
Böser König von Nazareth.
Und er stellte alles in Frage, stellte sogar in Frage, dass wir mikroskopisch sind und unsere Fragen und unser Leiden mikroskopisch ist. Er sagte: Euer Leiden ist gewaltig. Galaxien sind winzig gegen euer Leiden. Sind winzig gegen euer Leiden. Und trotzdem sollt ihr Leiden. Euer Leiden ist alles, euer Leiden brennt den Göttern die Hirne aus, euer Leiden, das ist Vergewaltigung an jedem Sinn und jeder Vernunft, und ihr sollt leiden.
Und ihr sollt begreifen: Wie riesig eure Scham ist, wie gigantisch sie ist, wie alles sie ist.
Und die Spirale, in die ihr euch eingedreht habt, so weit, das selbst Verweigerung sie bestätigt, so weit, dass gerade Verweigerung sie bestätigt, diese Spirale, sie soll mir ein Fußschemel sein, auf dem ich meine schweren Füße ausruhe, mit dem ich über Äonen von Gerippe gestiegen bin, hierher – um mich auszuruhen.
Und die Menschen, sie sahen das Licht, wie es ihnen in das Gehirn hinein schien.
Und aus den magischen Kristallen spieh es Blut. Regenbögen von Blut.
Böses Dosengelächter.
Und der böse Todesjesus lachte – und so hätte eigentlich alles gut sein können.
Als die Menschen aber erkannten, wie sehr sie sich geirrt hatten, und dass selbst ein Erkennen und Bedauern sie nicht mehr retten konnte – denn jede Änderung machte sie dysfunktional und Dysfunktionalität, das war ja etwas Schlechtes, trotz allem, das muss man ja sagen, egal wie rum man jetzt denkt oder? –
Da stiegen sie aus den Bussen und aus den Bahnen und kreuzten die Beine zum Schneidersitz, was allen eine sinnvolle, den Umständen entsprechende Haltung zu sein schien.
Und so machte der Todesjesus einen Pakt mit einem großen Fisch – Eine hochmoderne Mischung aus Viktoriabarsch und Dorsch mit politischem Kenntnis ausgestattet über die BRD anno bisher.
And now I see the magical Fungus.
Magic heavymetal warriors fight in the sky.
Unicorn lions throw hairspraymetal platinum longplayers at each other.
Children eating blizzards – Claymore hooray.
And your legs are wide open as I forget everything about justice.«
Are you ready for time – time is ready for you!
Und wir berauben der Welt ihrer Körper.
Und dann gibt es nichts.
Und dann wird die Dramaturgie der Wirklichkeit endlich endlich wieder eine willkürliche, eine seltsame sein.
Dann haben wir es geschafft: Wir haben die Stringenz aus der Wirklichkeit abgezogen.
Battlefield Wirklichkeitsbewältigung – das ist das Vietnam unserer Spiritualität. Nachgeben ist rosa. Nachgeben ist rosa.
Ich lasse das Nachgeben in meinen Körper.



Man steckt irgendwie dauernd im Hier und Jetzt und kann da irgendwie überhaupt nichts gegen unternehmen.
Selbst wenn einem die Klimaxlosigkeit des eigenen Daseins und unsere großstädtisch invalidisierten Gemüter noch so gewitzt vorgaukeln, es wäre möglich, in der Flucht vor dem drögen »Hier und Jetzt« ein erkopftes Leben in der tolleren Vergangenheit oder in einer tolleren Zukunft zu führen, muss das doch immer an der Modellartigkeit der Begriffe scheitern.
Denn: Zukunft und Vergangenheit sind das, was durch den glasigen Blick eines plötzlich mit einem kaffee-matschigen Keks dasitzenden Kaffeehausbesuchers fließt.
Vollgedröhnt mit jener Droge, die man sich am liebsten spritzt, wenn der Regen leise an ein Fenster klopft, findet er dann wie jeder Junkie mit dem Dolch plötzlicher Nüchternheit heraus, dass er gerade da ist, wo er ist. »Ach Scheiße« oder »Seufz« – selten mal: »Ach, war das schon schön damals am See«, durchechot es den Kopf.
Das Erwachen findet ganz entzaubernd in der Gegenwart statt. Sowieso: Alles was entzaubert ist gegenwärtig. Man kann sich, glaube ich, nicht von Futur oder Perfekt entzaubern lassen. Vielleicht ist das sogar eine ganz gute Definition für die Gegenwart: Das, wo die Entzauberung stattfindet.
Ich finde diesen konstruktivistischen Gedanken eigentlich ganz schön. Irgendwie versöhnlich, dass Zukunft und Vergangenheit lediglich Einbildung eines Gehirns sind, dass im Laufe einer extrem hurtigen Evolution einen Haufen Energy für diese oder jene überflüssige Funktion entwickelt hat.
Aber nur weil Modell, noch lange nicht unfunktional:
Wenn das Wissen von einer Zukunft völlig unbrauchbar wäre, dann existierte ja auch die Vorausschaubarkeit nicht: Ein schönes Gegenbeispiel also dieser kluge Satz: »Im Märzen soll der Bauer im Feld rumstärzen.«
Solcherlei Zukunftswissen beruht auf kausaler Beobachtung und ist wie jede klug angestellte Prognose einigermaßen vage, um den Zukunftsprognostiker möglichst nicht bloßzustellen – denn sein Job ist einer der härtestesten, ihm hockt das fette Monster »Bloßgestelltsein« immer krötig auf der Schwelle.
Tolle Prognosen wie: »Im Mai heißt der Bauer Kai«, hört man leider kaum, denn es wäre total doof, so zu prognostiezieren. Das bringt den Prognostiker in Gefahr!
Die Zukunftskunde beruht darauf, Erfahrung mit Vorhersage zu verbinden. Eigentlich eine unprätentiöse Wissenschaft, weil folgende Formel: Erfahrung equals Prognose.
Wie erfrischend da die Prognose prognosenvirtuoser Sektenführer: »Am Donnerstag seid ihr alle tot, wegen Komet«. Da schlummert für mich die echte Prognostikeravantgarde (auch, wenn von den führenden Prognostikern verschmäht) – die auch mal forsche Alternativen zulässt.
Wie groß wäre die Freude über Abwechslung durch folgende Prognose: Werde heute auf dem Weg zur Arbeit auf völlig unerwartetem Glatteis ausgleiten und in der unromantischsten Gegend dafür – Hermannstr. Neukölln – von einer S-Bahn überrollt. Letzter Gedanke: »Scheiße, und ich wollte doch einen offenen Sarg, in den die Menschen Blumen legen können.«
Wie groß die Freude heil anzukommen, wie weit geringer die Enttäuschung, tatsächlich den kalten Stahl der Bahn den Schädel bersten lassen zu spüren.
Life-enjoyment-maximizing durch simples Prognosen-bending.
Danke Reflexions-abilities.



Neues aus der freien Marktwirtschaft:
Sudokulösender Mann: »... ergibt 8 – Scheiße! Die Wahrheit würde Traute so unglaublich unglaublich traurig machen. Noch zwei Monate, dann bring ich uns beide um«



Herkules Manhattans holistisches Kompendium des modernen Seins from Herkules Manhattan on Vimeo.



Deutschlands Grafitti - Heute: Berlin Neukölln



Deutschlands Grafitti - Heute: Magdeburg



Deutschlands Grafitti - Heute: Berlin



Deutschlands Grafitti - Heute: Flensburg




»Herkules Manhattans holistisches Kompendium des modernen Seins« vereint zum ersten Mal in der Geschichte das menschliche Gesamtwissen – auf das Nötige reduziert - in einem ganzheitlichen Nachschlagewerk.
Ein Lexikon der Superlative!
Hurra: Alles ist erfasst, kartographiert, befühlt, begriffen und kategorisiert.
10.000 Jahre Kulturgeschichte / 10 Milliarden Jahre Universum – seefachmännisch verknotet in einem Raum!
Keine offenen Fragen!
Nie wieder Überraschungen!
Danke Herkules Manhattan.
Eine Woche recherchiert »Herkules Manhattan« schonungslos am Thema.
Die Ergebnisse werden im gemeinsamen Seminar vorgestellt.
Seien Sie dabei, gestalten Sie mit – wenn wissenschaftstheoretische Geschichte geschrieben wird.
Ein ungezwungener Literatursalon, mit Musik, Showkram, Talk, Literatur, warmer Küche und Getränken.
Ein Wohnzimmer-Kuschel-Krimskrams-und-Klimbim-Format mit viel Improvisation und Varieté / Latenight / Chaos – alles in gemütlicher und ungezwungener Freibad- / Swingerclub-Atmosphäre – kuschelig / schwitzig.
Für die Zerstreuung:
Menschen / Tiere / Sensationen.
Warum irgendwas lernen – lieber selber Wissen machen.
In der geschmackvoll eingerichteten Wissensmanufaktur von Herkules Manhattan.
Betreten wir gemeinsam den bezaubernden Prunksaal intellektueller Auseinandersetzung.
Bemerken Sie bitte die entzückende Einrichtung mit echtem Tropenholz-Diskursen.
Kommen Sie, wir reiten gemeinsam aus zur Jagd.
Geben den Theoriepferden die Hypothesensporen und erlegen einen dekadenten Haufen Ideenfüchse.
Das Methodik-Morphium wird gereicht.
Yeehaw – wir schießen auf alles was sich bewegt.
Hier, im Abseits des Landsitzes merkt niemand etwas, wenn ein Paradigmen-Bediensteter oder zwei »verschwinden«.
Tod – Fäulnis – Verzweiflung – unbeschreiblich schreckliche Kolonialisierungsverbrechen:
Dafür – und noch viel mehr – verbürgt sich »Herkules Manhattans holistischem Kompendium des modernen Seins«.
Seien sie dabei.
*Kapitel 1 – Der Körper*
Herkules Manhattan sind:
Christian Prasno
Yassu Yabara
Les Trucs (Charlotte Simon und Zink Tonsur)
Nis-Momme Stockmann



Deutschlands Graffiti - Heute: Heidelberg



Nis-Momme Stockmann
Geb. 1917
In Gorningbrumpf, bei Vogelgorpflingen, Litauen.
1939-45
Studium der Eklektik, Danzig.
1946
»Sag wenn sie fortgehen leise Adé«, Roman, und
»Zu dem Wunsch des Vaters kann nur entschieden nein gesagt werden«, Roman, entstehen.
1947
Lustwandelbegleitung am Hofe des Zaren von Griechenland.
Das Epos »Geh weg wenn dir danach ist aber mein Herz lass hier«, entsteht.
1950-1987 Arbeitslos.
Februar 1987
Gründung der Gorningbrumpfer Vogelfreunde e.V. Verein zur Zählung und Sichtung einheimischer Fauna. Heidschnucken, Bienenschwärme, Bären und ähnliches Gekreuch werden auf der Straße und auch auf Fahrradwegen beobachtet. Hinterher wird darüber gesprochen und es gibt Tee und Brote mit Marmelade oder Cervelatwurst.
1988 Einschneidendes Erlebnis
Fund eines behelflosen nackten Tiergewürms auf der Straße. Pflege bis Mitte 1994. Aus Vergnatzung deswegen: Der Beschluss mein Leben der Kunst zu widmen.
1990
Erstmal wieder arbeitslos.
1995
Fernlehrgang zum Bachelor of Arts und Finanzkaufmann. Danach großer Verbrauch von Verbrauchsgütern aller Art. Wegen all dem Geld. Durch den Ruhm.
1995 – 2000 Gefängnis
Der Roman »Der Fernfahrer macht eine traurige Neigung mit dem Köpfchen als er leise in seinem Auto fortfährt« entsteht.
2002
Auszeichnung: »The greatest man that ever has lived on earth in the whole time it exists« in Empfang genommen.
2003
Umschulung zum Lyriker.
2004 – 2007 Preise, Ruhm, Rum. Studium der Pädagogik. Referendariat an der Grundschule Schleswig. Kunstpädagogik. Großer Aufschneider im Lehrerzimmer.
Ausstellungen:
»Schweinenieren machen – erstmal entfernt – ein einschneidenderes visuelles Erlebnis«, Madrid
»Leckere Kekse backen ist ein Labsal«, Sydney
»Der Katzenpapa kuckt die Katzenkinder zornig an«, Optiker Meyne, Holmstraße.







Spaß auf dem Leichenhof - Teil 2-6



Anmerkung: Eine Oma sitzt am Bett ihres Enkelkindes.
Kind: Oma, Oma, Oma, liest du mir bitte bitte bitte bitte –
Oma: Leif Kevin, hol Luft, Leif Kevin.
Kind: – bitte bitte bitte bitte bitte bitte mit Krokant und Zimt und Sahne oben drauf … noch ein Märchen vor?
Oma: Na los, Leif Kevin – hüpf in die Falle, dann erzählt dir deine Oma noch eine Geschichte.
Kind: Oh prima, Oma!
Oma: Was möchtest du denn heute für ein Märchen hören, mein Kind? Wie wäre es denn mit …
Kind: Das Märchen von der Vollbeschäftigung, Oma!!!
Oma: Das hab ich dir doch schon so oft erzählt, Leif Kevin!
Kind: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Medien, Oma?
Oma: Leif Kevin! (nachdenkliche Pause) Wie wäre es denn mit dem Märchen von der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft?
Kind: Nee, Oma, Frauen sind blöd.
Oma: Na gut, mein Kind. Ich erzähl dir eine Geschichte, die du noch nicht kennst.
Es war einmal vor langer, langer, sehr langer ...
Kind: Wie lange, Oma?
Oma: Mein Schatz, bestimmt sechzig Jahre ist das jetzt bald her!
Deine Oma war noch ein frischer Hering. Der Haushalt war vor kurzem erst hakenkreuzgesäubert worden, und den Menschen ging es gar nicht gut, denn das Königreich Deutschland lag in Trümmern, weil der König der Deutschen – ein kleiner wütender Mann – über die rechte Flanke gekommen und vor Stalingrad einfach ein wenig zu ungeduldig war.
Der Traum vom großdeutschen Reich war geplatzt.
Kind: Ach, wie schade. Das macht mich traurig, Oma.
Oma: Warte ab, Kind. Es ist ja eine schöne Geschichte.
Denn nach dem großen Krieg beschloss der Rat der sechs Könige, mal zur Abwechslung was für die Menschen im Königreich Deutschland zu tun. Sie erließen eine Reihe von Gesetzen.
Kind: Was denn für Gesetze, Oma?
Oma: Wir nennen sie die »Grundrechte«, mein Kind.
Kind: Warum denn Grundrechte, Oma?
Oma: Weil sie grundlegende, unumstößliche Gesetze sein sollten, mein Kind.
Kind: Eine schöne Geschichte, Oma!
Oma: Das erste dieser Gesetze besagt:
»Die Würde des Menschen ist unantastbar.«
Kind: Aber das muss man doch nicht so genau nehmen, oder Oma?
Oma: Natürlich, mein Kind. Das ist schon sehr wichtig.
Kind: Aber was ist denn mit der (neunmalklug) »prinzipiellen Gleichheit aller Menschen«? Warum gibt es denn dann so viele Menschen, die durch die Verschiebung eines Wirtschaftsstandortes in ein Billiglohnland ohne Zutun und Eigenschuld in der Folge einer Massenentlassung ihren Job verlieren und von dem scheinbar polemisch dummen Rest der Bevölkerung in ihrem Los als Sozialhilfe- oder ALG II-Bezieher als »Asoziale« abgestempelt werden?
Warum muss man sich denn schämen, das soziale Netz in Anspruch zu nehmen, in das man jahrelang eingezahlt hat.
Oma (erstaunt): Du bist so klug mein Kind. (tadelnd) Aber auch ein wenig frech!
Lass mich weitererzählen. Das zweite Gesetz besagt: »Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit,« und: »Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit«.
Kind: Das ist jetzt aber doch Quatsch, oder Oma?
Oma: Nein, da muss man sich schon dran halten.
Kind: Aber warum wird dieses Gesetz denn dann bei jeder friedlichen Demonstration andersdenkender Menschen mit Füßen getreten … mit Knüppeln geschlagen?
Oma (hastig weiterlesend): Das dritte Gesetz besagt: (zu sich selbst, geflüstert) Alle sind gleich? (zu Leif Kevin) Nee, das ist wirklich nicht so wichtig …
Kind: Warum nicht, Oma?
Oma: Frag nicht so viel, mein Kind.
Gesetz vier besagte:
»Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich –«
Kind: In Kombination mit Gesetz Nummer eins hieße das doch aber, dass Menschen glauben können, was sie möchten, oooohne dass sie dafür diskriminiert werden. Also dass ein selbstfinanzierter Moscheenbau völlig in Ordnung ist, da jeder Mensch das Recht hat seine Religion in dem ihm angemessen erscheinenden Gotteshaus zu pflegen, oder? (Oma winkt ab) Und Oma: So ein Gesetz sorgt doch auch dafür, dass es selbstverständlich sein sollte, dass die Menschen unserer Stadt nicht mehr versteckt in irgendeinem Hinterhof ihrem Glauben nachgehen müssen, als würden sie ihre Notdurft verrichten, für die sie sich schämen müssen? Das ist doch prima!
Oma: Du bist sehr klug, mein Kind. Aber das darf man eben einfach nicht zu genau nehmen. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder seinen Hokus Pokus, seinen Islamquatsch und Mohammedzauber in unser gutchristliches Deutschland tragen dürfte. Neeee, oder?
Kind: Ich weiß nicht, Oma …
Oma (plötzlich laut): Willst du, dass die Terroristen dich kriegen, Kind?
Kind (erst erschrocken, dann nachdenklich): Da hast du Recht, Oma … Pfui, nee, das möcht ich auch nicht.
Oma: Und dann haben wir noch Gesetz Nummer fünf – und hier hatten sich die Denker der sechs Königreiche anscheinend einen Scherz erlaubt – das hieß nämlich so:
»Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.« Und weiter: »Eine Zensur findet nicht statt.«
Kind (redet aber das Geredete wird überpiept. Das Kind wundert sich.)
Oma: Genau, mein Kind. Du hast recht. Totaler Schabernack ist das!
Kind (wieder übergepiept.)
Oma: Genau, mein Kind!
Es gab noch eine Reihe von anderen Gesetzen – die man sich aber nicht mehr unbedingt durchlesen muss. Kennt man eins, kennt man alle.
Kind: Aber Oma, ich möchte sie alle kennen!
Oma (streichelt mit einem »Ach« den Kinderkopf): Und nun – zu der Moral von der Geschichte: Die sechs Könige wussten natürlich längst, dass sich solche Gesetze niemals wirklich umsetzen lassen. Das wäre ja völlig unrealistisch. Sie sollten den Menschen nur das Gefühl geben, nicht in einem totalitären System zu leben. (lacht)
(zärtlich) Deswegen sind diese Gesetze eben auch nichts weiter als ein schönes Märchen, mein Kind … Und so lebten die Politiker, die in ihren Kammern über die Gesetze lachten, im Gegensatz zum gemeinen Volk, ein glückliches, dickbäuchiges Leben bis ans Ende ihrer Tage. Und wenn sie nicht abgewählt worden sind, regieren sie immer noch auf Kosten Anderer.
Kind: Also sind die Grundgesetze Gesetze, die man verwässern, verändern, biegen und vergessen kann?
Oma: Genau, mein Kind. Das ist auch der Grund, warum du Onkel Schäuble auch von deinem Zimmer aus gutnachtwinken kannst. Wink mal, Leif Kevin!
Kind: Hallo, Onkel Wolfgang!
Oma: Hallo, Wolfgang!
Kind: Oah, Oma, tolle Geschichte. Jetzt kann ich gut schlafen. Danke, Oma!
Oma (küsst ihn): Und denk immer dran: Das Grundgesetz soll uns nicht stören …
Kind: Du hast Recht. Und alle Journalisten, die was anderes behaupten, sollten Schreibverbot bekommen.
Oma: Genau, mein Kind. Du hast etwas Wichtiges gelernt. Schlaf gut.
Kind: Schlaf gut, Oma Merkel.
Licht aus.
Kind: Ob der wütende kleine Mann vielleicht bald wiederkommt?
Oma: Schlaf jetzt, mein Kind. Sonst holt dich der Westerwelle …
Kind: Neeeeeein!



»Schlummer nach Banane« (digitale Fotografie, Berlin, 2010, Im Zyklus »Geisteswut § 3 - Lakonie der Weltenachse«)



- Was?
- Ja.
- Was? Nicht dein…
- (Ernst) Doch!
- Du meinst es wirklich…
- Ja.
- Du machst mit mir Schluss?
- Ja.
- Hier im Zoo?
- Ja.
- Das… Ich versteh das nicht: Wir frühstücken zusammen. Wir sprechen über den Film, den wir gestern... Wir lesen die Zeitung. Du willst in den Zoo mit mir. Ich denke, okay, was soll’s, klar, na gut.
Wir gehen hier, keine Ahnung wieso, schnurstracks, direkt in den Nachttierkäfig. Wir kucken uns die Tiere an, wir sind gerade mal (kuckt auf seine Uhr) 3 Minuten da, und dann machst du Schluss?
- Ja…
- Das ist nicht dein (lacht).
(Sieht sie an) Doch – es ist dein Ernst.
Ey Katja, das kannst du doch nicht… WARUM?
Lange Pause
8 Jahre. Katja…
- Ja.
- Wir haben vorgestern gemeinsam einen gemeinsamen Ratenvertrag für unsere EBK unterschrieben. Wir beide zusammen.
- Ja.
- Ich bin gespannt, wie du mir das… erklären willst.
- (Hastig) Kann ich nicht. Konnte ich noch nie.
Pause
Und deswegen sind wir ja hier auch im Zoo. Im Nachttierkäfig. Zusammen. Das letzte Mal.
- Deswegen sind wir im Nachttierkäfig?
- Ja
Pause
Also… Siehst du dieses Flughörnchen da hinten?
- Das ist ein Streifenhörnchen.
Schweigen
(Entschuldigend) Hier steht’s…
- Letztens ging ich so durch den Zoo, alleine. Wie man das manchmal tut, wenn man nachdenken muss.
Und da hab ich dieses Flughörnchen gesehen. Da, kuck, dieses Flughörnchen war es glaub ich. Siehst du? Dieses Flughörnchen. Ist es nicht putzig? Siehst du?
Gewichtige Pause
Ohne Regung hockte das putzig harmlose Ding da und hat an irgend so einer scheiß Nuss gefressen. An einer harmlosen putzigen Nuss, die jeden Tag mit absoluter Verlässlichkeit, so sicher wie der Tod, von einem Zoowärter hier reingeworfen wird.
Die Nuss fällt runter. Das Flughörnchen frisst sie.
So geht das, keine Ahnung, vielleicht ein paar Jahre oder so, keine Ahnung, wie alt Flughörnchen so werden, dann ist das Flughörnchen tot.
Tot,
ohne sich jemals die Frage gestellt zu haben,
wo diese scheiß Nuss herkommt.
Es ist zufrieden mit seiner harmlosen Putzigkeit, mit seiner putzigen Harmlosigkeit und damit, diese so widerlichen, weil so harmlosen Nüsse zu fressen, und stellt sich niemals Fragen, sondern frisst, scheißt, stirbt.
- Äh
- Ich stehe also hier und seh mir dieses widerlich putzig harmlose Flughörnchen an und ärger mich darüber, bezahlt zu haben, dass diese armselige Kreatur hier in so einem infantilen Bewusstseinszustand krepieren muss. Ein so erbärmliches niederes Tier, nicht nur putzig harmlos, auch noch eingesperrt und total und absolut zufrieden damit. Ein Tier, das sich mit dem Simpelsten des Simpelsten begnügt, keine Fragen stellt, ohne Zukunft lebt und niemals den Horizont seines Käfigs überwinden wird/will. Ein Tier, das in absoluter Zufriedenheit mit der Begrenzung seines Bewusstseins existiert. Das eigentlich jede Erweiterung des Verstandes als störend und schmerzhaft empfindet.
Und plötzlich, wie ich es so ansehe, es ist zuerst so gar nicht richtig konkret, es dauert ewig, bis ich da bin, plötzlich denk ich so:
Pause
- Ja?
- Ich denke: Genau wie Du.
Schweigen
Weißt du, es ist echt witzig, ich bin ja nicht so gut mit Worten und die Dinge konkret zu machen, wie du… Weißt du (lacht), es war echt so, als hätte das Flughorn diese ganzen vagen Gefühle, die ich die ganzen Jahre hatte, endlich auf einen zentralen Gedanken konzentriert.
Schweigen
Und da dachte ich, in den Zoo zu gehen, zu dem Flughörnchen, wäre ein guter Aufhänger, um dir die ganze Geschichte zu erzählen…
Schweigen
Ich hasse dieses Flughörnchen.
Ich hasse es und alles, wofür es steht.
Schweigen
Ich lasse euch beide jetzt alleine.
Ich geh zu den Raubkatzen.
Machs gut, Boris.
Katja geht. Boris betrachtet das Streifenhörnchen.





Betroffenes Schweigen
– Wisst ihr, was der alte Hans Hee jetzt sagen würde?
– (lacht) Ja – »Fängt mit guter Aliteration an! Verklausuliert sich in schiefem Bild und wird dann sehr elliptisch.«
– Ja – er war schon ein echter Pedant.
Lange Pause des Schweigens.
– Aber auch unser kompetentester … unser aussagekräftigster Textdichter.
– Und er hat immer alle Texte für die Bestattungsanzeigen gemacht …
Und das sehr gut …
Jemand von hinten:
– Soll das ein Vorwurf sein?
– Pft … Nein … oder – ja, weiß nicht …
Jemand anderes:
– Ich meine, wir lesen ja alle die Bestattungsanzeigen. Hätte ja mal jemand von euch –
Jemand drittes:
– Hans hätte nicht gewollt, dass wir uns streiten. Das kann doch nicht sein. Auf seiner Trauerfeier.
Jemand von der Seite:
– Hans ist weg. Was belügen wir uns. Alles zerbricht. Alles zerbricht! Wir können genauso gut zusammenpacken. Hallo Anarchie, hereinspaziert!
– Nein, Hans hätte gewollt, dass wir kämpfen!
Holt eine Serviette und einen Stift, wir schreiben ihm jetzt eine Traueranzeige, die seiner würdig wäre.
– Das ist der Spirit. Auf Hans!
– Auf Hans und seinen Ehrgeiz. Möge er in uns weiterdichten, auf dass diese Trauertextdichtungsscham bald getilgt ist.
Alle:
– Ja!
Wildes Geschreibe



Wir versputen uns.
Alte Gebäude finden wir toll.
Werkzeuge rocken.
Wir wollen einsam sein.
Wir laden uns Freunde ein, wenn die Regale aus den Dübeln rutschen, und trinken Orangensaft, später Tee und essen Miniwürstchen.
Feuerzeuge, die nicht mehr gehen, werden hier nicht weggeschmissen – oh nein.
Wir werfen sie auf Menschen, die freundlich grüßen.
Wenn sie die Augen rollen, fluchen wir noch nicht mal.
Die Mutter hat ein Paket geschickt.
Wir essen Weihnachtskekse.
Jemand will jetzt sofort nach Hause. Er äußert Bedenken zur Wetterlage.
In der Gefriertruhe ist Gemüse.
Im Ofen überall Käse.
Letztens war ein Hund da.
Musik hören.
Den Heimweg finden.
Interessante Fernsehsendungen gut finden.
Haustiere von Freunden streicheln.
Wir haben ein sonderbares Altersgefälle.
Mit uns fängt der Freitag an.
Wir werden jünger.
Lass uns eine Gurke klauen und dancen.

We uit-haasten ons
Oude gebouwen, daar houden we van
Gereedschap is gaaf
Wij willen eenzaam zijn
We nodigen vrienden uit, als de kastjes uit de muur schuiven. Om sinaasappelsap te drinken,
Daarna thee en we eten mini-worstjes
Hier gooien we geen aanstekers weg als ze op zijn
We gooien ze naar vriendelijke, hallo zeggende mensen
Zelfs als zij hun ogen rollen vloeken we niet eens
Moeder zond een pakket
We eten kerst koekjes
Iemand wil gelijk naar huis gaan. Hij is bezorgd over het weer
Er zijn groenten in de vriezer
Er is kaas over de hele oven
Laatst hadden we hier een hond
Naar muziek te luisteren
Zijn weg naar huis te vinden
Interessante TV-programma’s leuk te vinden
Lieve dieren te aaien
Ons dagelijks leven heeft een vreemde contour
De vrijdag begint bij ons
We worden jonger
Laten we een komkommer stelen en dansen

We out-hurry ourselves.
Old buildings, we find them great.
Tools rock.
We want to be lonely.
We invite friends over, when the cupboards slide out of the walls. To drink orange juice,
Later tea and we eat mini-sausages.
Here we don’t throw out the lighters, when they stop working.
We throw them at friendly greeting people.
When they roll their eyes we don’t even swear.
Mother sent a package.
We eat Christmas cookies.
Someone wants to go home immediately. He utters concern about the weather situation.
In the freezer are vegetables.
In the oven there is cheese all over.
Lately a dog was here.
To listen to music.
To find one’s way home.
To like interesting TV-shows.
To pet friends’ animals.
We have a strange slope of everyday life.
The Friday starts with us.
We grow younger.
Let us steal a cucumber and dance.





Spaß auf dem Leichenhof - Teil 1



Knüllball (grüßend):
Mischfuke.
Mischfuke (grüßend):
Knüllball.
Knüllball:
Der Fernsehprogramme gibt es viele.
Mischfuke:
Du referierst zu jener Zeit als es ihrer nur drei gab?
Knüllball:
Würdest du das fatalistisch finden? Habe ich sie doch erlebt jene Zeit und sehe ich mich dem Sturm der Medien oft hoffnungsarm gegenübergestellt …
Mischfuke:
Als medienkompetenter Mensch liegt es mir fern, dich aufgrund einer harmlosen Dreiprogramm-Nostalgik als fatalistisch zu ächten.
(nach einiger Überlegung) Doch finde ich es ein wenig fatalistisch, »fatalistisch« so ohne weiteres als problemimmanent in die Dreiprogramm-Nostalgie-Diskurs-Semantik einzugliedern.
Knüllball:
Meine Medienperzeptionsohnmacht provoziert bei mir ein großes Chargieren meiner emotionalen Grundunzufriedenheit.
Mischfuke:
(referierend) Wenn der Ärger bodenlos, egal ob mit, ob hodenlos
Kriegt man schnell ob reich, ob arm, ob des Ärgers Magen Darm.
Knüllball:
Magen Darm? Ob des Ärgers? Das halte ich für un- und außergewöhnlich.
Mischfuke: Wie wärs denn stattdessen mit:
»Kriegt man schnell, ob Geld ob keenes,
Ob seines Ärgers lange Beene.«
Knüllball:
Lange Beene?
Mischfuke:
Ja.
Knüllball:
Das ist ein unvollkommener Reim.
Mischfuke:
Hmm.
Knüllball:
Was reimt sich denn auf "keenes"
Mischfuke:
Penis.
Knüllball:
Das würde der Berliner nicht sagen.
»Kriegt ob seines Ärgers einen langen Penis?«
Außerdem ist das multipel politisch unkorrekt.
Mischfuke:
Sei doch mal ein bisschen dekonstruktivistischer.
Knüllball:
Sind wir jetzt schon wieder bei dieser Schlammgrube?
Mischfuke:
Ich hab es satt, für dich meine avantgarden Energien down-zu-sizen.
Knüllball:
Und ich habe es satt, meine emotionale Kompetenz für dich out-zu-sourcen.
Mischfuke:
Ich fahre zu meiner Mutter.
Ab.
Knüllball:
(finster)
Ja, fahr zu deiner Mutter. Und zuerst sitzt sie auf deiner Bettkante. Und dann rutscht sie mit ihrem breiten Hintern nach und nach auf das Bett. Gaaaanz langsam. Und dann liegt ihr zusammen im Bett.
Und kuckt »Lost«.
Und zuerst dreht sie dir nur im Haar. Du merkst es nicht einmal.
Dann legt sie ihr Kinn auf deine Schulter.
Und ihr kuschelt.
So, als wärst du nie von zu Hause weg gewesen.
So, als wärst du nie bei mir gewesen.
Und dann rollen die Augen deines Onkels über die Bühne und der Chor brüllt: »Cheeeeerio Miss Sophie.« Ein Hund hält eine Tafel in die Höhe auf der steht: »Ich rühre mit einem Löffel aus Zinn in dem Lieblingsgericht des Bundespräsidenten. Ich flaniere mit meinem sprechenden Zylinder aus Räucherlachs durch Berlin und fluche auf die verdammten Alltagsbummelanten. Hitler ist eine süße Maus.«
(nach einer Pause)
Das ist wohl deine Vorstellung von einem Samstagabend.
Ab.



In Robin-Hood-Kostümen stürzen sie über den Rasen.
Wassereis, Zuckerhände, Fragezeichen. Stecknadelkopfgroße rostfarbene Punkte auf beigegelben Pflasterkissen. Wespen um abgekaute Kotelettknochen in aus Stahl gewebten Abfallkörben – am Rand heiß, wenn man sich dagegensetzt, schön heiß am Hinterkopf.
Hier, nimm einen Schlag ins Gesicht. Gerade war alles noch Spaß und hitziger Wille, und Einigkeit und Rausch.
Jetzt bin ich eine Spur zu betrunken. Eine winzige Spur. Eine winzige Spur.
Hier sind auf dem Rasen richtige weiße Linien gezogen. Mit Kreide und Maßband und dem ganzen Scheiß. Elfen schweben über dem Gras – in schwirrenden Linien küssen sie dir den Bauch.
Und mitten im Trubel, im Rufen, im Alb, lieg ich auf dem Rasen und tuschel mit dir.
In dein Ohr ziehen meine Fragen ein.
Eine gemütliche Wohnung mit Möbeln und Kram. Richtiges Porzellangeschirr steht in handwarmen Laugen in Bechern und Schalen, bei der Spüle und wartet, auf fleißige Hände, die sich ohne Angst reiben, wenn die Gelegenheit günstig, also durchführbar, scheint. Ich hab keine Angst, dass der Augenblick sich wandelt. Ich liege und schwitze, mit dem linken Augapfel, seh ich sie dann:
Eine Drehung um ihre Mitte. Der Blick ist vom Anheben ihres Körpers ganz müde. Ein Schluck, ein Schritt, ein Weggestolpert. Leute schmunzeln. Andere schütteln den Kopf im Verbot.
Hi hi, was für ein lustiger Abend. Gleich gibt es Stockbrot und Punsch. Gleich bin ich enttäuscht und gehe. Gehe wie immer enttäuscht nach Haus.






Bitte erschieß mich!
Ich bin gebaut worden mit der Macht den Planeten zu zerstören. Aber ich hab noch nicht mal Arme um mir in meinem Existenzekel die Adern zu öffnen.
Bitte, bitte erschieß mich.



Anmerkung: Zur Melodie des schrecklichen Bierzeltmachwerks der Toten Hosen mit dem Titel »Zehn kleine Jägermeister« (siehe Chorus und Bridge).
Ein kleines NPD-Prozent – machte Schlägerei,
Das fanden ein paar Idioten toll – da waren’s auch schon zwei.
Zwei kleine NPD-Prozente – waren nicht gern allein,
Sie zogen in den Osten ein – und waren plötzlich drei.
Drei kleine NPD-Prozente – verschenkten ein paar Bier,
Weil vielen das als Argument schon reichte – waren’s auch bald vier.
Vier kleine NPD-Prozente – über die man die Nase rümpft,
Verschrecken das Establishment – und warn deshalb bald fünf.
Fünf große NPD-Prozente – statt Verbot kam nur Geschwätz,
Und nun ziehn sie in den Landtag ein – und sind jetzt schon zu sechst.
Chorus und Bridge
Sechs große NPD-Prozente – Polemik, Hass und Lügen,
Das reicht nicht nur im Osten – bundesweit sind’s bald schon sieben.
Sieben große NPD-Prozente – werfen Steine in der Nacht,
Den Deutschen liegt das wohl im Blut – drum sind’s dann auch schnell acht.
Acht große NPD-Prozente – und die Partei ist nicht mehr klein,
Die Demokraten lächeln immer noch – und sie wachsen sich zu neun.
Neun große NPD-Prozente – fast jeder zehnte ist extrem,
»Die Linke« wird jetzt abgeschöpft – da waren’s endlich zehn.
Zehn gigantische NPD-Prozente – kein Ende ist in Sicht,
Idioten, Polemiker, Dummköpfe – ihr gebt der Partei Gesicht.
Chorus:
Einer für alle, alle für einen,
Die Rechte in Deutschland wird sich bald vereinen,
Sie kriegen die Dummen, Widerstand gibt’s kaum,
2020 und der Kanzler ist braun.
Bridge:
Untätig daneben stehen,
wenn der Rechtsstaat zerbricht.
Ihre Flaggen werden am Reichstag wehen,
Und sie zu wählen wird Pflicht.
Heißa, Heißa, Heißa, Juche, viel Spaß dabei!!!



Hm



Personen: Ein moderater Verfechter der bürokratischen Ordnung. Ein hilfloser Verfechter der bürokratischen Ordnung. Ein heftiger Verfechter der bürokratischen Ordnung. Zwei bullige Beamte.
Einige wartende Beamte.
Ort: Wartezimmer zu einer schmalen, gerade körperbreiten Eingangstür. In schnörkellosen Lettern steht in pompöser Größe darüber »Behörde zur Prävention des Abbaus von Vorschriften – Büro wider die Transparenz behördlichen Handelns«.
Zeit: Vielleicht ist es Nacht, vielleicht ist es Tag. Auf den grauen, endlos langen, fensterlosen Gängen mit den sich in ewiger Parallelität aufreihenden Stühlen, spielen einige Karten, während andere schlafen.
Auf einer langen Stuhlreihe sitzen und warten, bis zum weiten Ende gestreckt, in ähnlich schwarzen Anzügen gekleidete Herren. Sie alle sind ähnlich frisiert, haben ähnliche Aktentaschen bei sich.
Auf einem Haufen vor dem vorderen Ende der Stuhlreihe liegen Aktentaschen, auf einem zweiten Krawatten, auf einem dritten Köpfe.
Sobald der jeweils vorderste Wartende seinen Stuhl verlässt, rückt der Rest der Reihe in einer gut abgestimmten Choreographie höflicher Floskeln nach.
Es ist jedes Mal das Gleiche, wenn die Tür sich öffnet: Alle stehen auf, der vorderste Wartende knöpft seinen Kragen auf, legt seine Krawatte auf den einen Haufen, den Aktenkoffer auf den anderen, atmet tief durch, ruft »Leben und Sterben für die bürokratische Gesinnung« und zwängt sich durch die geöffnete, sich schnell hinter ihm schließende Tür. Fast augenblicklich danach hört man ein sägendes Geräusch, die Tür fliegt hastig auf, und der Kopf des Wartenden rollt, von einer gerade zu erahnenden Hand in Kettenhandschuhen geworfen, unter ihm folgenden Blicken auf den Haufen mit den Köpfen. So geht es im Minutentakt. Etwa mittig auf der Szene sitzen drei Wartende, die sich miteinander unterhalten, rechts der heftige, mittig der moderate und links der hilflose Verfechter der bürokratischen Ordnung. Nur wenn ein weiterer Wartender hineingerufen wird ist Ruhe. Unter den Stühlen sind große rote Knöpfe.
Heftiger Verfechter (erst die Wartenden zählend, dann feierlich skandierend): Beamte! Wir haben es bald geschafft. Es sind jetzt noch lediglich 4 Wartende. Ich kann nur sagen: Endlich.
Moderater Verfechter (zum Eingang schauend): Ja… Endlich…
Hilfloser Verfechter (auf den Boden schauend): Ja... Endlich… (und nach einer längeren Pause) Ich meine…
Heftiger Verfechter (heftig): Ja?
Hilfloser Verfechter: Also. Nicht, dass ich zweifeln würde! Gott behüte mich! (…) Es ist nur…
Heftiger Verfechter: Ja? (…)
Hilfloser Verfechter: Also… nicht, dass ich zweifeln würde… an der Sache… und ihrem Sinn… und unserer Gesinnung…
Heftiger Verfechter (lauernd): Sprechen Sie frei. Sie sind unter Gleichgesinnten und im Angesicht eines baldigen Todes. Sie können alles sagen, alles. (Mit Nachdruck) Alles (Er sucht mit dem Fingern nach dem roten Knopf unter seinem Stuhl).
Hilfloser Verfechter (mit plötzlichem Mut): Aber… Aber weiß einer von jemandem, der es geschafft… ich meine wir warten seit Tagen und ich hab noch niemanden wieder hinaus kommen sehen.
Ein Wartender entkleidet sich, ruft »Leben und Sterben für die bürokratische Gesinnung«, zwängt sich durch die Tür. Die drei schauen auf. Höflichkeitstänze beim Nachrücken. Sägendes Geräusch, Kopf rollt, verfolgt von den Augen der Wartenden, auf den Kopfhaufen.
Heftiger Verfechter: Also - als würde es darum gehen. Aber ja. (…) Es gab jemanden, der es via Beförderung hinaus geschafft hat. Der Wille muss nur stark, die Gesinnung fest genug sein. Ich habe davon gehört.
Hilfloser Verfechter: Wann?
Heftiger Verfechter: Aber darum geht es schon mal gar nicht.
Hilfloser Verfechter: Wann haben sie davon gehört?
Heftiger Verfechter (zeigt zu einem entlegenen Teil der Warteschlange): Abschnitt… 4.
Hilfloser Verfechter: Wir saßen doch die ganze Zeit zusammen. Das hätte ich doch gehört.
Heftiger Verfechter (heftig): Also, wir hätten nicht lange zusammengesessen, hätte ich von Ihrer Fragwürdigkeit gewusst.
Hilfloser Verfechter: Ich bin überhaupt nur hier, weil mir meine Schwester dazu geraten hat. (…) Warum müssen wir überhaupt warten? Warum bauen sie nicht eine Maschine, die uns alle auf einmal erledigt. Es wird doch ohnehin niemand befördert.
Der heftige Verfechter drückt auf den roten Knopf unter seinen Stuhl.
Moderater Verfechter (zu dem hilflosen Verfechter flüsternd): Seien sie doch lieber still Mann.
Aus der Tür kommen zwei kettenbehandschuhte bullige Beamte, die sich vor dem heftigen Verfechter aufbauen.
Heftiger Verfechter (zeigt auf den hilflosen Verfechter): Es ist meine Gesinnungs- und Bürgerpflicht, diesen Beamten anzuzeigen. Er hat sich durch das kritische Hinterfragen des Wartens fragwürdig gemacht - wobei anzumerken ist, dass er das Warten an sich und nicht nur den schleichenden Fortschritt des Wartens angegriffen hat.
Die beiden tragen den hilflosen Verfechter völlig teilnahmslos drei Plätze nach vorne, wo er mit dem Zweitplazierten Plätze tauschen muss. Dann: Der Erstplazierte steht auf, ruft »Leben und Sterben für die bürokratische Gesinnung« usw.
Moderater Verfechter (nach vorne gebeugt): Das haben Sie jetzt davon.
Hilfloser Verfechter: Ich bin nur hier, weil mir meine Schwester dazu geraten hat. (…) Also eigentlich hat sie mich regelrecht gedrängt.
Moderater Verfechter: Jetzt halten Sie doch endlich den Mund. (Er zeigt auf den heftigen Verfechter). Das hier ist ein echter Falke.
Hilfloser Verfechter: Wie soll es denn schlimmer werden? (…) Sowieso, was ist das Warten schon. Denken Sie darüber jemals nach? (Er zählt an seinen Fingern ab) Ohne Behörde kein Verständnis für die Zeit, ohne Verständnis für die Zeit kein Warten, ohne Warten keine Behörde. Also ohne Behörde keine Behörde. Was für ein Irrsinn. (an alle) Fällt das hier niemandem auf? Wir haben doch so viel Zeit zum Nachdenken!
Alle Wartenden blicken auf. Der heftige Verfechter drückt wieder hektisch auf den Knopf, 3 – 4 Mal.
Moderater Verfechter (zu dem Hilflosen gewandt): Keine Behörde? Nachdenken? Jetzt halten sie doch endlich den Mund. Sie, Sie, Sie grundalberner Mensch. Meinen Sie, Sie können hier, einen Schritt vor dem Tor, noch Bürokratieabbau betreiben? Nein! Und soll ich Ihnen mal was sagen: Es kann sehr wohl schlimmer werden. Für die anderen hier. Mit uns warten hier Tausende von Menschen, die nur noch den einen Willen im Herzen tragen. Wenn Sie die Behörde so sticht, dann scheißen Sie doch auf die Behörde. Dazu haben Sie doch jetzt die beste Gelegenheit. Scheißen Sie auf die Behörde! Oder gehen Sie! Aber machen Sie die anderen hier nicht verrückt.
Der moderate Verfechter blickt in die Gesichter der nun erschienenen Beamten in Kettenhandschuhen. Sie halten ihn für den Unruhestifter.
Moderater Verfechter (müde): Oh… (…) (plötzlich blass, nicht ohne Zynismus zu den beiden Wartenden) Meine Herren. Es war mir eine Ehre, mit Ihnen gewartet haben zu dürfen.
Sie packen ihn und tauschen ihn mit dem Hilflosen aus. Der moderate Verfechter ist an der Reihe. Krawatte aus, Aktentasche weg. »Leben und Sterben« usw.
Heftiger Verfechter: Das haben Sie nun davon!
Hilfloser Verfechter: (…) Er hat recht: Ich gehe jetzt.
Heftiger Verfechter: Sind Sie verrückt Mann! Sie werden gebraucht. Denken Sie doch mal an die mögliche Beförderung. Zeigen Sie doch einmal Schneid für die Sache. Wissen Sie, wie die Alternative hieße, wenn hier jeder aufstehen und gehen würde: Bürokratieabbau. Mann, wir wären arbeitslos.
Hilfloser Verfechter: Ich traue mich nicht! Ich weiß nicht warum! Das Ganze!
Heftiger Verfechter: Sie sind doch ein… Sie sind doch ein… reizbegnadeter Mensch.
Denken Sie doch mal an Fontane: Erscheint Dir etwas unerhört | bist Du tiefsten Herzens empört | bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit | berühr' es nicht, überlass es der Zeit.
Hilfloser Verfechter: Halten Sie doch bitte den Mund. Ich gehe jetzt. (Steht kurz auf, alle stehen auf: »Leben und Sterben«…, setzt sich wieder).
Heftiger Verfechter (Zeit schindend schaut er nervös nach dem Tor hin): Kein Freud ist ohne Schmerz, kein Wollust ohne Klagen | Kein Stand, kein Ort, kein Mensch ist seines Kreuzes frei | Wo schöne Rosen blühn, stehn scharfe Dorn dabei | Wer außen lacht, hat oft im Herzen tausend Plagen | Wer hoch in Ehren sitzt, muß hohe Sorgen tragen…
Hilfloser Verfechter: Bitte halten Sie den Mund.
»Leben und Sterben« – der Hilflose ist nun an der Reihe.
Heftiger Verfechter (tröstend): Das ist erhaben. Das ist schön. Gehen sie mit einem Lächeln. Mann, die Mutigen werden gebraucht. Wir müssen stark sein, wenn die anderen schwach sind. Wir müssen hinausstreben. Gehen Sie Mann - stehen und sterben sie wie ein Bürokrat. Für die Sache. Die Fahne im Herzen gehisst… Sie tun das Richtige. Denken sie doch mal an… Ihre Schwester. Das ganze ist eine Ehre.
Hilfloser Verfechter: Was für eine Fahne? Wovon reden sie.
Der Hilflose wehrt sich heftig, die beiden bulligen Beamten müssen ihn entkleiden und durch den Eingang zerren. Der heftige Verfechter zeigt ihm zwei Daumen.
Heftiger Verfechter: Eine Ehre.
Hilflose Verfechter (als er weggezerrt wird, laut): Was denn für eine Fahne! Was denn für eine Fahne, Sie Idiot, was reden Sie da, Sie hirnverbrannte Arschgeige, Sie Denunziant!
Die Tür bleibt in der Hektik offen stehen. Man hört ein Schreien und das sägende Geräusch sehr viel lauter als sonst. Es spritzt etwas Blut aus der Tür. Alle Wartenden schauen hin, nehmen die Hand zum Mund und werden sehr blass. Der Kopf rollt, kommt unglücklicherweise nicht ganz bis zum Haufen und bleibt in Höhe des heftigen Verfechters liegen. Die Tür schließt sich mit einem Knall. Stille.
Heftiger Verfechter (schaut und wartet eine Weile. Beugt sich nach vorne. Tippt sich auf die Lippen, lehnt sich mit dem Oberkörper auf die Arme): Ja… was für eine Fahne eigentlich. (Dann steht er schnell auf und geht).



Time is sogar money wenn man ein Frankfurter Display Dummy ist.
Dieser Neoprenanzug befindet sich nun in meiner persönlichen Kleidersammlung und ich laufe stolz mit ihm durch Berlin.
Kommunikationsversuche erwidere ich indem ich hyperventilierend auf meine Brust gestikuliere.
Manchmal noch ein hastiges: »Ich muss jetzt sofort surfen!«



Denn wenn du nicht mehr willst. Oder auch nicht mehr kannst.
Wer fährt uns nach Hause. Wir wohnen nicht hier.
Es ist vielleicht weit. So 3 Kilometer.
Wir nennen es Strecke. Sie bewegt unsre Leiber.
Und wir fahren da hin. Mit unseren Rädern.
Dort gibt es Getränke. Und beheizte Räume.
Und etliche Betten. Und zahllose Menschen.
Wir nennen es Bleibe. Wir finden sie gut.
Wenn wir lange da waren – finden wir sie dumm.
Wir fahren dort hin. Mit neuen Fahrrädern.
Und blitzenden Helmen.
Helme gut finden, entgegen der gängigen Meinung,
finden wir rott.
Die Party ging lange. Die Musik war öde.
Wir halfen zu fegen. Am Ende des Abends.
Wenn du nicht mehr willst. Gib mir das Ticket.
Du schläfst in dem Bett. Das nach ihr riecht.
Ich fahre S-Bahn. Mit quietschenden Rädern.
Ich fahr in die Zukunft. Voll fahrenden Rädern.
Voll eitler Partys. Voll tragender Ödnis.
Über zahllose Menschen. In beheizten Räumen.
Die das verdauen und sterben. Aber nicht das Fegen.
Verinnerlicht haben.
Ich sehn mich so entsetzlich, so mit allem hier weg
Wenn du hier wärst, wir wären uns einig:
Wir sind keine Menschen – wir sind Mikrophone
Und alles und alles verdreht unsre Mägen
Und alles und alles zerteilt unsre Obacht
Und alles und alles ist ein Stück einer Sehnsucht
Das Stück einer Sehnsucht nach Motto und Bier
Wir sind keine Menschen wir sind Mikrophone
Wir zerbrechen die Köpfe und in tausend Klänge
Wir teilen die Luft, die Menschen, die Räume
Wir können nur tönen, verstärken und stören
Ach so und noch trinken außerdem



Viel schlimmer als brotlose Kunst - ist das brotlose Kunst Betreiben schließlich eine der Deutschen liebsten Nebenbeschäftigungen - ist doch kunstloses Brot.
Was für ein Ärger, ist das Brot kunstlos gestaltet!
Da mag die Bäckerin noch so schöne Hände haben, ist das Brot lustlos geknetet, gebacken und serviert, schmeckt es nicht warm noch kalt.
Es gibt, wie ich unlängst festgestellt habe, in Deutschland, und jüngst massiv auch in Frankfurt, einen gigantischen Markt für das Backen, das Servieren und Bewerben (und natürlich das Perzepieren - s.o.) kunstlosen Brotes.
Wo soll uns das bloß hinführen?
Frankreich lacht sich ins Fäustchen. Haha. Wieder ein Millennium, in dem wir nicht besser backen müssen, um mit den Brotbackabilities der Deutschen mitzuhalten.



An einer Ecke, steht ein Hund ohne Ohren
Er schnüffelt, und alles
ist hier öde, befremdlich
Hände in den Taschen
Nach Hause gelaufen
Die Tiere machen Schreie
In einer Stadt deren endende Gassen
Kein Schreien erreicht.
In denen der Hall um die Mauern
Nicht an den Ohren der Menschen
Sondern an den Gehirnen
Einer tauben und dummen
Zivilfront zerbricht
Ein Schauer von Hass
Überkommt einen Menschen
Der eigentlich nichts
Außer Bier trinken wollte
Und die Menschen der Stadt hier
Mit offenen Augen
Zum ersten mal ehrlich
Also offen betrachtet
Und sich eingesteht,
Dass der Wunsch hier zu wohnen
Verflogen, wenn jemals vorhanden war.
Ich fahre nach Hause
Und esse die Menschen
trink die Gesichter
tret ihre Ärsche
Die die Gassen hier scheißen
Und vernünftige Brunnen
Ich habe das Leben
Euer Leben und meines
Verpasst und bin als solcher
Entlarvt und erleichtert

Home Sweet Home - Theaterwohnung XXXX Str. 71, Bornheim.



Szene: In der »Mini Playback Show Hauptprobe«
Eine Frau (genervt): Guten Abend, mein Name ist Marejke Amado.
Ein Kind sieht zu.
Kind (heiter und neunmalklug): Sie sind überhaupt nicht Marejke Amado. Sie sind ein Marejke Amado erstattendes Beleuchtungsdouble für die Beleuchtungsprobe.
Eine Frau (sauer): Und Sie sind ein ganz schön neunmalkluges, rotzlöffliges Mistgör.
Kind (seine Verkleidung als Kind abwerfend): Hab ich Sie. Ich bin nämlich Marejke Amado. Ich überprüfe stets meine, mich als Beleuchtungsdouble erstattenden Bühnendoubles auf Miesmuffeligkeit und mangelnde Geduldigkeit gegenüber zwar rotzlöffligen aber für unsere Show von eminenter Wichtigkeit seienden Kindern. Sie haben, das kann ich nicht anders sagen, aber mal gründlich verkackt und sind mit sofortiger Wirkung entlassen.
Eine Frau: Ha – Hab ich Sie. Auf jene von Ihnen in Bühnenpathos schroff raus gekloppter Kündigung hab ich nur gewartet. Ich bin nämlich in Wirklichkeit gar kein Beleuchtungsdouble sondern eine ihre Arbeitsweise vermutet habende und lediglich als Bühnendouble verkleidet operierende Agentin der Bühnendoublegewerkschaften.
Marejke Amado (sich ans Herz greifend): O Schreck. Die Furcht vor jenem Tag wütet schon seit längerem in meinem Busen.
Ich hätte es ahnen müssen: Just aus diesem Grunde haben Sie mich, in einem Moment freudscher Unachtsamkeit, auch zu Anfang gesiezt – weil Ihnen als Beleuchtungsdoublegewerkschaftlerin aufgrund Ihrer emotionalen Identifikation mit dem Gedoubelten natürlich der Respekt und die Furcht vor jenem nicht so einfach auszutreiben und ins sprichwörtliche Gehirn reingefickt ist.
Eine Frau: Das spielt hier keine Rolle.
Marejke Amado (spitzfindig): Sonst wären Sie wohl auch nicht in der Gewerkschaft, wenn Sie so einfach ausgefriedet und versöhnt mit dem in Ihrem Herz wütenden gekränkten Beleuchtungsdoublestolz umgehen könnten, wie es eigentlich gute, gott- und gesetzesgegebene Beleuchtungsdoublesitte ist.
Eine Frau (echauffiert): Sie dringen auf mich ein –
Marejke Amado (ins Wort): Kann es nicht auch sein, dass jener gekränkter Beleuchtungsdoublestolz Sie in der Auswahl Ihrer eigentlich im Grunde doch recht seicht und vernünftig mit den Beleuchtungsdoubeln umgehenden als Kinder verkleideten Beleuchtungsoriginalen befangen macht ….
Eine Frau (zusammenbrechend): Hören Sie auf.
Marejke Amado: Kann es nicht auch des weiteren und darüber hinaus sein, dass ich eine eigentlich herzensgute und der Abkömmlichkeit gegenüber dem Publikum genüge tuen wollende Superfrau bin, der Sie in den Tiefen Ihres Herzens eigentlich neiden und die aufgrund dessen, Ihre machtvolle Position als Bühnendoublegewerkschaftsgeheimagentin ausnützend, aus niederen Zwecken zu vernichten suchen?
Eine Frau: Ja, Sie haben recht, hören Sie doch auf, Sie haben recht. Recht. Recht. Recht.
Marejke Amado (ihre Verkleidung als Marejke Amado abwerfend): Ha – hab ich Sie. Gestatten Sie – Zinnschlegel von der Beleuchtungsdoublegewerkschaftsagentenüberprüfung. Kann ich Sie bitten, kurz gemeinsam mit mir aus der Beleuchtungsprobensituation herauszutreten. Es besteht dringender Tatverdacht gegen Sie.
Die Frau versucht zu fliehen. Der Kommissar schießt ihr hinterher. Beide weg.
Kameramann (zum Beleuchter): Echt gut organisiert die Beleuchtungsdoublegewerkschaftsagentenüberprüfungskommissionen.
Beleuchter: Jedes Mal das Selbe, jedes Mal das Selbe.



Willkommen Welcome Bienvenue.
Frankfurt am Main – ich hab dich, du hast mich.
Gegenüber die Europäische Zentralbank, sie flüstert irgendwas.
Ich sitze im Theater und staune an ihr hoch.
Nachdenklich:
Was sagt das?
Das Ganze?
Das ganze so-in-die-hohe-Luft-Gebaue, mit zirkusmanegengroßen Logos drauf und Antennen, die Gott in der Achsel kitzeln?
Come on und jetzt mal ganz ehrlich, EZB,
das soll einem doch nur eins sagen:
»Einen Scheiß bist du wert! Ich lach dich aus, du dummer Mensch.
Du bist wahrscheinlich noch nicht mal jemand, der in mir rumlaufen darf?
Hah, dann aber mal gleich: Spirituelle Ehrfurcht.
Hast du vielleicht gar nicht gemerkt – aber nachdem euer Gott sich als ausgedacht herausgestellt hat,
da bin ich gekommen.
Stelle war ja frei.
Haha.
Du bist sogar weniger als einen Scheiß wert.
Kuck mich mal an:
Ich bin ein hohes Haus in Penisform.
Ohne Fahrstuhl kannst du mit deinen kleinen Menschenbeinen nicht mal zur Hälfte in mir hochgehen.
Dass euch das nicht albern ist.
Man könnte mich auch der Länge nach bauen.
Ihr seid so blöd, überlegt noch nicht mal, warum man das nicht macht.
Dumm dumm dumm.
Dass euch das gar nicht lächerlich ist, mich anzubeten, ihr dummen dummen Menschen.
Haha – Ich bin die konkreteste Form eurer im Reglementierten pervertierten Begierde.
Ich bin Gott.
Und du bist weniger als einen Scheiß wert.«
Einen Preis aus-»loben«
»Gläubig«-er
Geld-»schein«
»Schuld«-en
usw.
Finanzsemantik equals theologische Semantik.
Und hier in Frankfurt, da hat das deutsche Bank/Kaufmannswesen dem deutschen Kapitalismus aber mal einen burlesken Altar errichtet.
Wenn das alles nicht mehr so ist mit kapitalistischer Hegemonialstruktur, dann wird das bestimmt zu einem Museum umgewandelt.
Die Leute gehen durch das Museum zeigen auf die längst tote EZB und sagen:
»Kuck mal, wie albern. Warum haben die das nicht der Länge nach gebaut?«
Also länger als 100 Jahre kann das nicht mehr dauern, bis die Menschen feststellen, dass das ein großer Quatsch ist alles.
In your face EZB:
Wenn die Menschen zufrieden wären, bräuchten wir deine ganze Masche nicht.
Und wenn du den Menschen nicht immer so repressiv ins Gewissen reden würdest:
»Kauf mal ruhig ein bisschen mehr ein.«
»Und Schuhdeo noch.«
»Wenn Tante Karen erstmal tot ist, dann versetz ich ihre Gildeclownsammlung und kauf mir ein neues Modding, mit Gravur – Yeah«
und ähnlicher Kram für den wir uns in der Hölle dann irgendwann selbst kasteien werden –
dann würden wir viel schneller dahinter kommen, dass du für eine Spirale des Unglücks stehst:
Uns fallen die Haare aus
Unser Zahnfleisch geht zurück.
Keine Zeit für Familie und Freunde.
Keine Familie und Freunde.
Je produktiver wir sind umso mehr wird auf uns abgeladen.
Wir sind depressiv überfordert unglücklich.
Und dann gibt es noch das Geheimnis, das jeder kennt (obwohl seine Erfüllung doch unser System am Laufen hält):
Kaufen macht nicht glücklich.
Mehr besitzen als man benötigt macht nicht glücklich.
Sowieso, dieses Diktum, dass Glück nur möglich ist, wenn man sich darum bemüht, macht nicht glücklich.
Jetzt mal ein kleines Geheimnis vor dem der Kapitalismus große Angst hat, weil der sich dann – Peng – mit einem Mal in Luft auflösen könnte:
Zufriedenheit macht glücklich.
»Hmm – ich hab Hunger auf ein Brötchen, ich kauf mal drei« – Nein.
»Hmm – Mir ist langweilig, ah ich habs: Mein neues Hobby wird Tontaubenschießen« – Nein.
»Hmm – Gut: Mintgrün für das Gästehaus, dann wird es uns allen viel besser gehen« – Nein.
Der Motor von Überverbrauch ist Langeweile und Depression und die merkantile Illusion Wachstum würde daran was ändern und uns glücklich machen – Hä hä einer der größten Tricks von der EZB und ihren Kumpels in nah und fern.
Nur die europäische Zentralbank weiß:
»Wachstum existiert nicht.
Hi hi – das ist mein größter Trick.
Euer Spiritus Sancti existiert mal so was von gar nicht.
Wachstum gibt’s nicht.
Das, was ihr unter Wachstum versteht.
Das ist nur eine Umverteilung von Energien, Ressourcen und Kapital (das letzte begreift sowieso kaum jemand).
Haha, damit etwas wächst braucht es Energie, ganz einfache Rechnung.
Blume braucht Wasser, Erde, Sonne.
Und so saug ich mir das woanders ab, damit ich so groß und stark werden kann.
Zum Beispiel in Afrika.
Oder bei den Leuten die in mir rumheizen und meinen das würde irgendwas an ihrem persönlichen Glück ändern.
Dummköpfe Dummköpfe Dummköpfe.
Ihr seid so dumm«.
Ich kucke raus und staune:
Wow – was bist du für ein Riesen[XXX] EZB.
Was bist du für ein gewaltiges [XXX].
Die EZB kuckt zurück und sagt:
Willkommen Welcome Bienvenue
Nis-Momme Stockmann – ich hab dich, du hast mich.
